Luc Bondy Intendant der Wiener Festwochen ab 2001

Wien, (OTS) In einem Pressegespräch am Montag stellte Kulturstadtrat Peter Marboe Luc Bondy als künstlerischen Leiter
der Wiener Festwochen vor. Der Dreijahresvertrag von Bondy läuft von 1. Juli 2001 bis 30. Juni 2004.

Marboe dankte bei dem Pressegespräch der im Amt befindlichen Dreierdirektion der Festwochen für ihre sehr gute Arbeit und betonte die Notwendigkeit, den innovativen Impetus des Festivals
und seine internationale Ausrichtung weiter fortzuführen und auszubauen. Für die Zukunft scheine ihm die Einzelintendanz dazu die bessere Lösung zu sein: Luc Bondy sei für das Festival und für die Stadt ein großer Gewinn, mit seiner Verpflichtung sei eine europäische Lösung von höchstem Anspruch erreicht worden. Die Gespräche mit Bondy bis zum Vertragsabschluss seien vor allem den künstlerischen Fragen rund um das Festival gewidmet gewesen, der Vertrag stelle für die Stadt eine gute Lösung dar.

Luc Bondy gab zu verstehen, dass er die künstlerische Leitung der Festwochen als Herausforderung betrachte, der er sich ganz widmen wolle. Es sei sein Ziel, über die Festwochen Impulse zu setzen, die dann in die Theater- und Kulturlandschaft der Stadt einfließen können. Das Festival solle auf das reagieren, was in Europa und der Welt passiere - es werde also nicht "gemütlich und bürgerlich" werden - es solle Haltung zu den Fragen der Zeit beziehen : etwa analog zum Thema der Festwochen 20001 , die das Dreierdirektorium dem Thema "Xenophobie" gewidmet hat. Generell
habe er die Absicht, so Bondy, thematische Schwerpunkte zu setzen, allerdings ohne diese Absicht zu einer Bürde für die Programmierung zu machen. Die Frage nach der Gewichtung von Eigenproduktionen und Gastspielen werde sich aus der Praxis heraus regeln, jedenfalls sollten die Festwochen sowohl der Wiener Kreativität entsprechende Möglichkeiten bieten wie auch den internationalen kulturellen Austausch fördern. Ein besonders Anliegen sei ihm dabei die künstlerische Öffnung zu den Ländern des europäischen Ostens.****

Er werde mit der Leitung der Festwochen seinen Wohnsitz in
Wien nehmen und auch eine Inszenierung innerhalb der Festwochen übernehmen. Weiters könne er laut Vertrag eine Inszenierung außerhalb der Festwochen machen, die aber dann dem Festival angeboten werden könne. Er beabsichtige auch, ein Team hochkarätiger Mitarbeiter zu verpflichten, generell werde aber nicht alles anders werden bei den Festwochen, die ja ein
angesehenes Festival in Europa seien.

Die Subvention der Stadt Wien für die Festwochen beträgt 135 Millionen Schilling und wird in den kommenden Jahren in dieser
Höhe fortgeschrieben. Geschäftsführer Wolfgang Wais bezifferte das Gesamtbudget der Festwochen mit zwischen 170 und 190 Millionen Schilling, wobei Sponsorenverträge und Erlöse aus Gastspielen dazu beitragen sollen, die fehlende Summe auf die Subvention aufzubringen.

Lebenslauf und künstlerischer Weg von Luc Bondy

Luc Bondy wurde 1948 in Zürich geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Frankreich. Nach dem Besuch der Patomimenschule von Jacques Lecoq gab er sein Debüt am Théâtre Universitaire International in Paris, wo er mit Erfolg eine
Novelle von Gombrowicz für das Theater adaptierte.

1969 wird Luc Bondy Regieassistent am Thalia Theater in Hamburg. Ab 1971 inszeniert er eine Reihe wichtiger Werke: "Die Zofen von Genet" (Hamburg, 1971), "Die Stühle von Ionesco" (Nürnberg, 1972), "Wie es euch gefällt" von Shakespeare (Wuppertal, 1973), Goethes "Stella" (Darmstadt, 1973) und Edward Bondes "Die See" (München, 1973). Von 1974 bis 1976 arbeitet Luc Bondy an der Städtischen Bühne Frankfurt. In weiterer Folge übernimmt er die Regie zahlreicher Stücke an der von Peter Stein geleiteten Berliner Schaubühne. Nach einer kurzen Pause ist der Regisseur 1981 in Köln tätig, wo er "Yvonne, Prinzessin von Burgund" von Gombrowicz, "Glückliche Tage" von Beckett und 1982 "Macbeth" von Shakespeare inszeniert. Im gleichen Jahr adaptiert
er einen Text von Botho Strauß, "Kalldewey Farce", für das Theater, der dann an der Berliner Schaubühne uraufgeführt wird. 1984 inszeniert Bondy Arthur Schnitzlers "Das weite Land" am Théâtre des Amandiers im Pariser Vorort Nanterre (für diese Inszenierung wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis, Abteilung Theater, ausgezeichnet).

Von 1985 bis 1987 ist er künstlerischer Kodirektor (mit den Dramaturgen Dieter Sturm und Christoph Leimbacher) der Berliner Schaubühne, wo er unter anderem 1985 "Triumph der Liebe" (Marivaux), 1986 "Die Fremdenführerin" (Botho Strauß) und im November 1987 Molières "Der Menschenfeind" inszenierte.

Zu seinen weiteren wichtigen Inszenierungen gehören "Das Wintermärchen" von Shakespeare in der Übersetzung von Bernard-Marie Koltès (Nanterre, 1988 und Festival d'Avignon), "Die Zeit
und das Zimmer" von Botho Strauß (Schaubühne, 1989) und "Der einsame Weg" von Schnitzler am Théâtre Renaud-Barrault in Paris (1989), eine Neuinszenierung von "Das Wintermärchen" (Schaubühne, 1990), Schlußchor von Botho Strauß (Schaubühne, 1992), "John Gabriel Borkman" von Ibsen (Lausanne, 1993), "Das Gleichgewicht"
von Botho Strauß (Salzburger Festspiele, 1993), "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" von Peter Handke (Schaubühne, 1994, in Koproduktion mit Festival d'Automne à Paris), "Der Illusionist"
und "Träumen wir!" von Sacha Guitry (Schaubühne, 1995), "Jouer avec le feu" von August Strindberg (Théâtre Vidy-Lausanne, 1996, in Koproduktion mit den Wiener Festwochen u.a.).

Luc Bondys Operninszenierungen: "Wozzeck" (1976) und "Lulu" (1978) von Alban Berg in Hamburg, in Brüssel am Théâtre de la Monnaie 1986 "Cosi fan tutte" (Mozart) und 1989 "Die Krönung der Poppea" (Monteverdi), "Don Giovanni" (Mozart) für die Wiener Festwochen 1990 (Wiederaufnahme 1991), "Salome" (Richard Strauss) für die Salzburger Festspiele 1992 (Wiederaufnahme 1993), "Reigen" (Boesmans) für La Nonnaie/De Munt, Brüssel 1993, "Le Nozze di Figaro" (Mozart) für die Salzburger Festspiele 1995
(Wiederaufnahme 1996), "Don Carlos" (Verdi), Premiere am 27.
Februar 1996, Théâtre Musical du Châtelet.

Luc Bondy führt auch Regie bei zwei Filmen: "Die Ortliebschen Frauen", 1980 (Grand Prix du Jeune Cinéma, Festival d'Hyères, 1981) und "Das weite Land" (1987).

Seit dem Sommersemester 1997 hat Luc Bondy eine Gastprofessur für Regie am Max-Reinhardt-Seminar inne. Seit September 1997 ist Luc Bondy Schauspieldirektor der Wiener Festwochen.

Am 24. Februar 1998 findet als internationale Gemeinschaftsproduktion u.a. mit den Wiener Festwochen am Théâtre Vidy-Lausanne die Premiere von Jean Racines "Phèdre" in der Inszenierung von Luc Bondy statt. Bei den Wiener Festwochen 1998
ist die Produktion von 16. bis 21. Mai im Odeon zu sehen, anschließend internationale Tournee.

Für die Wiener Festwochen 1998 inszeniert Luc Bondy "Figaro läßt sich scheiden" (Ödön von Horváth) als Gemeinschaftsproduktion mit dem Theater in der Josefstadt: Premiere am 10. Mai 1998 im Theater an der Wien, Premiere der Wiederaufnahme am 16. Jänner
1999 im Theater in der Josefstadt, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 1999.

Am 15. Mai 1998 erhält Luc Bondy in Berlin den Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen.

"En attendant Godot" von Samuel Beckett inszeniert Luc Bondy als Gemeinschaftsproduktion Wiener Festwochen und Théâtre Vidy-Lausanne: zu sehen bei den Wiener Festwochen 1999 im Theater an
der Wien vom 25. bis 28. Mai.

Für die Wiener Festwochen 1999 inszeniert Luc Bondy mit Schauspielstudenten des Max-Reinhardt-Seminars die Uraufführung
des neuesten Stückes von Botho Strauß, "Lotphantasie".

Am 29. August 1999 hat Luc Bondys Neuinszenierung von
Giuseppe Verdis "Macbeth" beim Edinburgh Festival Premiere. "Macbeth", eine Gemeinschaftsproduktion Wiener Festwochen,
Scottish Opera, Glasgow, Edinburgh International Festival und
Opéra de Bordeaux, wird bei den Wiener Festwochen 2000 gezeigt.

Luc Bondy führt Regie bei der Uraufführung der Oper "Wintermärchen" von Philippe Boesmans an der Brüsseler Oper La Monnaie, Premiere am 10. Dezember 1999.

o Publikationen:

"Das Fest des Augenblicks", Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1997
o "Wo war ich? Einbildungen", Amman Verlag, Zürich, 1998
(Schluss) gab/rr

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