"Neue Zeit" Kommentar: ""Ohne Vernunft?" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 23. 1. 2000

Graz (OTS) - Noch nie ist das größte Talent des FP-Chefs so wirksam geworden, wie in den Wochen seit der Wahl: Das Talent, politische Gegner gegeneinander aufzuhetzen, das Land zu polarisieren. Undenkbar wäre es bisher gewesen, dass sogenannte bürgerliche Zeitungen gegen einen bürgerlichen Bundespräsidenten solche Attacken geritten hätten, wie es jetzt geschieht. Eher hätte ein konservativer Herausgeber seinen Chefredakteur gefeuert, als zuzulassen, dass Waldheim zum Beispiel so behandelt worden wäre, wie es sich Klestil gefallen lassen muss. ****

Es scheint, die Vernunft hätte unser Land verlassen. Die einen glauben, nachdem sie die größte Niederlage ihrer Geschichte erlitten haben und bei den Wahlen an dritter Stelle gelandet sind, der Pakt mit dem Haider könnte sie retten und sehen ihr Heil darin, dass Haider ihren Schüssel zum Kanzler macht. Und manche Sozialdemokraten meinen offenbar schon, mit Anbiederung aus Haider einen verlässlichen, demokratischen und von aller Welt geachteten Weggefährten zu machen.

Es ist ein Glück, dass sich wenigstens Bundespräsident Klestil einen klaren Blick bewahrt hat und sich von der rechten Hetzkampagne nicht irritieren lässt. Als erfahrener Diplomat weiß er offensichtlich, wie verheerend Haiders Regierungsbeteiligung für Österreichs politische und wirtschaftliche Stellung in der Welt wäre. In der SP sollte man ganz klar sehen, dass der Bundespräsident einer SP-FP-Koalition ebenso wenig seine Zustimmung erteilen könnte, wie einem VP-FP-Pakt. Aus Verantwortung für die Republik Österreich.

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