FORMAT: Liste der Düsseldorfer Steuerfahndung dokumentiert dreizehn Vranitzky-Gratisreisen um 1,2 Millionen Schilling

Ex-Kanzler reiste auf Kosten der WestLB mit Gattin, Freunden und Bankern nach Amsterdam, Bremen, Düsseldorf und Köln

In seiner am Montag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht das Nachrichtenmagazin FORMAT Details über die Gratis-Reise von Franz Vranitzky auf Kosten der Westdeutschen Landesbank (WestLB): Laut einer internen Liste der Steuerfahndung Düsseldorf, die FORMAT exklusiv vorliegt, war der Ex-Kanzler mit Gattin, Freunden und Bankern in den Jahren 1989 bis 1993 ingesamt dreizehn Mal mit Jets der Düsseldorfer Flugfirma PJC unterwegs. Die Kosten der Flüge, bei denen auch teilweise WestLB-Chef Friedel Neuber - ein Freund Vranitzkys - an Bord war, belaufen sich auf insgesamt umgerechnet 1,2 Millionen Schilling.

Insgesamt enthält die Liste 26 Flugbewegungen (also auch "leere" Hin- und Rückreisen) im Zusammenhang mit Vranitzky - darunter drei im zeitlichen Umfeld eines Krankenhaus-Aufenthaltes seiner Gattin Christine in Hannover.

Auch jene Flüge, die Vranitzky vor drei Wochen als "politisch/dienstlich angebracht" bezeichnete, lassen sich inzwischen rekonstruieren: So verzeichnet die Steuerfahnder-Liste etwa im Mai 1990 drei Flüge: Am 18. Mai wird der damalige Bundeskanzler von der PJC nach Düsseldorf gebracht. Tags darauf transportiert ihn das Unternehmen nach Amsterdam, wo er laut APA einen "Blitzbesuch" absolviert, um seine EG-Offensive fortzusetzen. Anschließend besucht Vranitzky eine Vernissage von Arnulf Rainer in Den Haag. Offenbar wird er von einem eigens angereisten Chauffeur der WestLB dorthin gebracht. Abends geht es zurück nach Wien. Kostenpunkt für die WestLB: 27.338,50 D-Mark (rund 191.000 Schilling).

Am 6. Dezember 1990 bricht gleich eine ganze Reisegruppe per PJC Richtung Düsseldorf auf: Der Kanzler, Frau Christine, Kanzler-Sekretär Gerhard Praschak, der heutige WestLB-Konsulent Helmut Holzmann samt Gattin. Und: Gerhard Randa, damals Länderbank-Chef, jetzt Boß der Bank-Austria, an der inzwischen die WestLB beteiligt ist. Am 7. Dezember fliegt die Gruppe auf WestLB-Kosten weiter nach Bremen -zu einem "inoffiziellen Besuch" samt "Essen mit norddeutschen Ministerpräsidenten". Dann findet ein "Meinungsaustausch" mit dem Bürgermeister der Stadt. Fazit laut APA:
"Über den Inhalt wurde nichts bekanntgegeben." Flugspesen: 218.000 Schilling.

Am 20. Mai 1993 läßt es sich die WestLB mehr als 140.000 Schilling kosten, den Kanzler und sechs weitere Fluggäste von Wien nach Köln zu fliegen: Vranitzky hält nämlich im nahen Aachen eine Laudatio auf seinen spanischen Amtskollegen Felipe Gonzales. Und in den Jahren '89 und '92 gibt es weitere Reisen mit unbekanntem Zweck. Vranitzky erklärt sie mit "Veranstaltungen, die von der WestLB organisiert wurden und mir Gelegenheit boten, Österreichs Interessen zu propagieren."

Die Staatsanwaltschaft Wien hat inzwischen Vorerherbungen wegen des Verdachts auf Geschenkannahme gegen Vranitzky eingeleitet. Das Delikt wäre mit nachweisbaren Gegenleistungen für die WestLB verknüpft, die Verjährungszeit beträgt fünf Jahre.

Rückfragen: Martin Staudinger, 217 55 - 6762

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