Rieder: Keine Entwarnung in Drogenfrage

1999: Anstieg bei vorläufiger Drogenopferbilanz; Tendenz bei unter 30-jährigen rückläufig

Wien, (OTS) "Es gibt keine Entwarnung in der Frage des Drogenmissbrauchs. So gibt es zwar keine Hinweise auf einen drastischen Anstieg bei den Drogenkonsumenten, doch hat die Zahl
der Drogenopfer – nach rückläufigen Tendenzen in den Jahren davor – im Jahr 1999 zugenommen. Andererseits bestätigt die vorläufige Opferbilanz, dass Prävention greift, da die Zahlen bei den unter 30-jährigen stetig zurückgehen. Diese positive Entwicklung in der Gruppe der jüngeren Drogenopfer, aber auch eine Verschärfung am Arbeitsmarkt verlangen nach einem Ausbau der Präventions- und Reintegrationsprogramme anstatt dem von Betreuungseinrichtungen gemeldeten beabsichtigten Rückzug des Bundes aus solchen Programmen", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Freitag im Rahmen eines Mediengespräches, an dem auch der Wiener Drogenbeauftragte Dr. Alexander David und der Wiener Drogenkoordinator Peter Hacker teilnahmen.****

"Die Entwicklung bestätigt, wie wichtig es war, dass wir 1999 das Wiener Drogenkonzept erneuert haben. Denn offensichtlich ist
die Befürchtung eingetreten, dass sich die Beschäftigungssituation für Randgruppen spürbar verschärft hat und damit für manche ein Klima der Ausweglosigkeit entstanden ist", so Rieder.

Derzeit nur ein provisorisches Ergebnis

Das allerdings erst provisorische Ergebnis der polizeilich registrierten Drogenopfer weist 1999 für Wien maximal 132 Todesfälle aus. Erfahrungsgemäß reduziert sich diese Zahl in der endgültigen Statistik, weil in der polizeilichen Zählung auch Todesfälle enthalten sind, die letztlich nicht mit Drogenkonsum zu tun haben. In dieser vorläufigen Statistik befinden sich Verstorbene, die innerhalb der letzten 5 Jahre eine polizeiliche Suchtgiftvormerkung erhalten haben, auch wenn es keinen
Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und ihrem Ableben gibt (zum Vergleich: dies betraf im Jahr 1998 21% aller Fälle!).

Drogenopferstatistik wurde erweitert

Aufgrund der neuen Gesetzeslage (Novelle zum
Suchtmittelgesetz 1998) haben wir auch Todesfälle im Zusammenhang mit Psychopharmaka in die Statistik mit aufgenommen und wir
stellen fest, dass es auch hier Todesfälle gibt. In 4 Fällen ist es gesichert, in weiteren 17 wird dies vermutet.

Drogenopfer werden immer älter: Jeder zweite über 30 Jahre

In den letzten Jahren ist der Altersdurchschnitt der Drogenopfer in Wien stetig gestiegen. Lag das Durchschnittsalter 1993 bei 25, so waren die Drogenopfer 1999 im Schnitt 33 Jahre alt (das ist der höchste Wert, der bisher verzeichnet wurde). Waren im Jahr 1993 insgesamt 26 Verstorbene über 30 Jahre alt (25 Prozent aller Drogenopfer), so betrifft diese Altersgruppe 1999 beinahe
zwei Drittel (64,6 Prozent) der Wiener Drogenopfer. Im Jahr 1999
war erstmals der Anteil der über 40-jährigen mehr als doppelt so hoch als der unter 20-jährigen.

Überdosierungen weiterhin rückläufig

Statistiken der Wiener Rettung zeigen seit Jahren einen Rückgang bei den Einsätzen wegen Überdosierungen bzw. anderen Zwischenfällen nach Drogenkonsum. Waren 1988 insgesamt 1.951
(1993: 705 Einsätze) solcher Einsätze zu verzeichnen, ging diese Zahl im Jahr 1998 auf 360 Einsätze zurück (erstes Halbjahr 1999:
157 Einsätze).

Einschätzung und Strategien

"Die Gründe für diesen Anstieg sind vielschichtig", so Drogenbeauftragter Dr. Alexander David: "Einerseits werden Suchtkranke in Wien dank intensiver therapeutischer Betreuung
immer älter, andererseits verstärkt sich mit zunehmendem Alter aber auch deren soziale Isolation. Meist ohne Familie und ohne Job fehlen diesen Menschen Lebensperspektiven." David: "Wir müssen in einem sehr hohen Ausmaß Suizide unter Verwendung von Suchtgiften bei Menschen feststellen, die nicht in entsprechender Betreuung gestanden sind, bzw. nicht durch Drogenabhängigkeit auffällig waren. Keinen Anstieg haben wir bei den ‚unbeabsichtigten’ Überdosierungen - den so genannten ‚klassischen’ Drogenopfern -feststellen können und insbesondere auch, dass bei den unter 30-jährigen die Zahl der Opfer rückläufig ist. Wir sehen, dass unsere Präventionsmaßnahmen bei dieser Gruppe greifen und wollen diese daher in Zukunft verstärkt fortsetzen."

Hacker: "Neue Aufgaben in der Drogenarbeit"

Wie im Wiener Drogenkonzept 1999 vorgesehen, wird ein Schwerpunkt im Bereich der Integration von Drogenabhängigen auf
dem Arbeitsmarkt gesetzt werden. Dazu ist besonders das Arbeitsmarktservice zur Kooperation und Entwicklung eigener Initiativen aufgerufen. Dr. David stellt dazu fest, dass "die
beste Therapie bei Suchtkranken nicht lange helfen kann, wenn es nicht gelingt, gemeinsam mit dem Patienten eine
Zukunftsperspektive für sein Leben zu entwickeln."

Ferner wird die Krisenbetreuung an Wochenenden und Feiertagen ausgebaut werden. Gerade die dramatisch hohe Zahl an Suiziden rund um die Weihnachtsfeiertage bestätigt diese Notwendigkeit und entsprechende Planungen des Wiener Drogenkoordinators.

Ausgegliederter Dachverband für Drogenangelegenheiten geplant

Im Jahr 2000 beginnen – wie im Wiener Drogenkonzept 1999 vorgesehen - die Vorbereitungen für eine Organisationsreform der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe als ausgegliederte Einrichtung. Diese neue Dachorganisation soll als Clearingstelle agieren und sicherstellen, dass Förderungsmittel möglichst gezielt und treffsicher eingesetzt werden. (Schluss) nk

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