"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Grenze des Zumutbaren

Ausgabe vom 21.01.2000

Klagenfurt (OTS) - Gestern Abend gab es nicht ein einziges Indiz mehr dafür, dass die Koalition neu zwischen Rot und Schwarz noch zu retten gewesen wäre. Das Aus war zum Greifen. Das Ende mühsamster Regierungsverhandlungen war scheiternd erreicht. Die ÖVP hat durch unerfüllbare Forderungen - ihr war die Unerfüllbarkeit mit Sicherheit bekannt - die SPÖ an die Grenze des Zumutbaren, an die Schmerzgrenze gedrückt. Die Sozialdemokraten hatten nur noch die Wahl, sich selbst oder den Versuch zur Regierungsbildung mit der ÖVP aufzugeben.

Ablesbar von den Ereignissen der letzten Tage und Stunden war auch für die Öffentlichkeit, dass die SPÖ bereit war sogar bis an jene Schmerzgrenze zu gehen, wo sie von den eigenen Gewerkschaftern und vor allem von ganzen Bevölkerungsteilen geprügelt wird. Die ÖVP hat dabei die Überspannung des Bogens, die Überschreitung des Zumutbaren mutwillig provoziert. Denn so schlecht kennt die ÖVP die Roten nicht, dass sie nicht selbst weiß, wo die realistische Grenze liegt.

Nicht nur Klima stand gestern vor dem Aus und dem Ende der Regierungsverhandlungen. Geendet wird viel mehr haben. Welcher Weg nun auch immer und von wem auch immer eingeschlagen werden sollte, es endet eine Ära, eine österreichische Ära. Die bisher eingeübten Rollen gelten nicht mehr. Jeder wird eine neue Rolle lernen müssen, die Gewerkschaft, ihr Sozialpartner, die Parteien, vielleicht sogar der Bundespräsident. Heute weiß noch niemand, was künftig für uns alle das Zumutbare sein wird.

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