"Neue Zeit" Kommentar: "Überschätzt" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 21. 1. 2000

Graz (OTS) - Die Verhandlungskomitees von SP und VP haben offensichtlich ihre Durchsetzungskraft in ihren eigenen Parteien überschätzt: Für die SP stand bis hin zur Selbstaufgabe das Bemühen im Vordergrund, nur ja nicht den einzigen potentiellen Koalitionspartner zu verlieren. Der VP bereitete es ein nachgerade sadistisches Bemühen, die SP zu demütigen und ihr zum Hemd auch noch die Hosen auszuziehen.

Herausgekommen ist ein "Paket", das ausser von den unmittelbar betroffenen Verhandlern kaum jemand gelobt hat und das in beiden Parteien nur aus Disziplin mit einigermaßen ordentlichen Mehrheiten angenommen wurde.

Dass sie trotz dieser Mehrheiten in weiten Teilen ihrer eigenen Basis keine Akzeptanz haben, müssen beide Parteien seit der Welle der Empörung in der Gewerkschaft wissen. Die geht zwar bei aller Solidarität zwischen FSG und FCG vor allem zu Lasten der SP. Dafür musste sich Wolfgang Schüssel gleich von drei Bundesländern -Steiermark, Vorarlberg und Burgenland - die Gefolgschaft aufkündigen lassen.

Das konnte nur zu einer weiteren Verhärtung führen. Die VP wollte noch zwei Trophäen nach Hause bringen, um ihren "Sieg" zu beweisen:
Die Unterschrift von Metallgewerkschafter Nürnberger und das Finanzministerium. Genau das wollte die SP nicht akzeptieren: Ihre Reizschwelle schien erreicht, Edlingers Vergleich der VP mit einem Hund, der die Wurst bewachen soll, machte die Runde.. Für einen "Showdown" bis zur Geisterstunde war gesorgt.

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