ÖGB-Expertin: Trend "zu alt für die Arbeit, zu jung für die Pension" stoppen

Wien (ÖGB). Wenn der Trend "zu alt für die Arbeit, zu jung für die Pension" gestoppt werden soll, muss ein Schwerpunkt der Gesundheitspolitik auf eine "gesündere Arbeitswelt" gelegt werden. Dies fordert die ÖGB-ArbeitnehmerInnenschutzexpertin, Mag. Renate Czeskleba, anlässlich einer geplanten Änderung der arbeitsmedizinischen Ausbildung (Änderung der Verordnung über die arbeitsmedizinische Ausbildung von Ärzten). Nur gesunde Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen können länger in Beschäftigung gehalten werden. Einen wichtigen Beitrag dazu könnte die Arbeitsmedizin leisten. Dies - so Czeskleba - sei allerdings nur dann möglich, wenn die Ausbildung zum Arbeitsmediziner praxisgerecht gestaltet würde.++++

Keine Reform in Sicht

Dies ist derzeit leider keineswegs der Fall. Deshalb wurde vom ÖGB große Hoffnung in eine Reform der arbeitsmedizinischen Aus- und Weiterbildung gesetzt. Vor diesem Hintergrund ist Czeskleba enttäuscht über den Verordnungsentwurf: "Der Entwurf bringt nicht die längst fällige Anpassung der Ausbildung an die beruflichen Anforderungen, sondern reduziert sich auf die Einführung eines Multiple Choice-Tests."

Arbeitsmedizinische Beratung muss seit 1. Jänner 2000 von allen Betrieben in Österreich in Anspruch genommen werden - Grund genug, qualitativ hochwertige Beratung zu verlangen, so Czeskleba:
"Arbeitsmediziner beraten nämlich den Arbeitgeber mit dem Ziel, die Arbeit so zu organisieren und zu planen, dass ArbeitnehmerInnen nicht krank werden. Sie sind aber auch Experten für Gesundheitsförderung, die gleichermaßen die Lebensqualität der Arbeitenden sichert und die Produktivität des Unternehmens unterstützt."

Rund 1.300 Ärzte wurden in Österreich bis heute an den anerkannten Akademien in nur zwölf Wochen zu ArbeitsmedizinerInnen ausgebildet. Zwölf Wochen greifen - vor dem Hintergrund, dass arbeitsbezogene Gesundheitsfragen während des gesamten Medizinstudiums kein Thema sind - zu kurz. Das inbegriffene einwöchige Praktikum bereitet ArbeitsmedizinerInnen nicht einmal ansatzweise auf die praktischen Aufgabenstellungen in den Betrieben vor.

Die Arbeitsmediziner selbst, so die ÖGB-Expertin, sind nicht zu beneiden. Mangelhaft gerüstet werden sie in den Unternehmen viel zu oft mit Aktzeptanzproblemen konfrontiert. Gleichzeitig ortet Czeskleba mangelnde Bereitschaft der ArbeitsmedizinerInnen, die zahlreichen Weiterbildungsangebote zu nutzen.

"Hier hilft nur eins", so Mag. Czeskleba: "Angehende ArbeitsmedizinerInnen müssten im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ein einjähriges bezahltes Praktium absolvieren. Arbeitsmedizinischen Zentren oder auch die Präventionszentren von AUVAsicher wären für so eine Praxis ideal."

Der ÖGB fordert darüber hinaus eine Weiterbildungsverpflichtung im Ausmaß von mindestens zwei Wochen pro Jahr für alle Arbeitsmediziner und Arbeitsmedizinerinnen.

ÖGB, 20. Jänner 2000 Nr. 30

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