Nur "Genügend" für heimische Forstwirtschaft Der WWF präsentiert Ist-Zustand der europäischen Forstwirtschaft und Wälder

Wien (OTS) - Kein einziges europäisches Land behandelt seine Wälder in zufriedenstellendem Maße. Dies belegt eine heute veröffentlichte Studie des WWF International (World Wide Fund For Nature). Beurteilt wurden 20 europäische Länder nach 99 Kriterien. Ein breiter Bogen spannt sich von ökonomischen, ökologischen und sozio-kulturellen Aspekten bis zu Fragen von Schutzgebieten und Schadstoffeinträgen. DI Gerald Steindlegger, Waldexperte des WWF Österreich: "Ein Sehr gut oder Gut ist keine Illusion, sondern eine Notwendigkeit um die europäischen Waldlebensräume mit all ihrer pflanzlichen und tierischen Vielfalt langfristig zu erhalten".

Europa ist noch immer weit entfernt von einer sorgsamen Waldbewirtschaftung. Selbst das beste europäische Land, die Schweiz, hat nur 62 Prozent der möglichen Punkte in der europäischen Waldrang-Liste (European Forset Score Cards) erreicht. Der WWF mahnt daher alle europäischen Länder, mehr auf ihre Wälder zu achten. "Bei sorgsamerem Umgang wird uns der Wald auch im neuen Jahrtausend neue Arbeitsplätze schaffen, Erholungsraum bieten, Nutzholz liefern, lebenswichtiges Wasser speichern und den Fortbestand unerschöpflicher Lebensvielfalt sichern", so der Leiter des WWF Europa-Waldprogrammes Per Rosenberg.

3. Platz für Österreich

Österreich teilt sich mit 57 Prozent den dritten Platz mit Schweden und der Slowakei. DI Gerald Steindlegger: "Das relativ gute Abschneiden Österreichs darf nicht darüber hinweg täuschen, dass in vielen Bereichen noch wesentliche Verbesserungen nötig sind. Während die österreichische Forstwirtschaft erfolgreich im Bereich Schutz-und Erholungsfunktion der österreichischen Wälder ist, sind ökologische Aspekte noch immer viel zu wenig berücksichtigt. Nach wie vor sind viele Tier- und Pflanzenarten in Österreich unmittelbar gefährdet. Die forstlichen Praktiken und die forstpolitischen Instrumente sind immer noch nicht ausreichend geändert, um dieses negative Phänomen zu stoppen."

Stärken und Schwächen in Österreich

Österreich punktet durch ausreichende Waldbedeckung (47 Prozent der Landesfläche). Auch der gesellschaftliche Anspruch an den Wald als Wasserspeicher, Lawinen- und Erosionsschutz wird durch die multifunktionale österreichische Forstwirtschaft erfüllt. Eine Reduktion forstschädlicher Verunreinigungen ist zwar im Bereich der Schwefel-Dioxid- Emission gelungen, alle anderen zum Teil hochtoxischen Schadstoffe wie Dioxine und Schwermetalle gefährden aber weiterhin die österreichischen Waldökosysteme.

Großen Nachholbedarf gibt es noch immer im Bereich der Schutzgebiete. "Weniger als 1 Prozent der österreichischen Wälder steht unter effektivem Schutz. Und leider ist derzeit auch kein positiver Trend abzusehen. Noch immer werden viele wertvolle Baumarten zu wenig gefördert - standortswidrige Monokulturen gehören leider noch immer zum gegenwärtigen Waldbild. Nicht nur seltene Edelhölzer, sondern auch die Hauptbaumart Tanne sind dadurch in Österreich stark gefährdet. Zusätzlich stehen die heimischen Wälder unter enormem Verbißdruck durch überhöhte Wildbestände. Mehr als die Hälfte der österreichischen Jungwälder sind durch Wildverbiss ernsthaft bedroht," so Gerald Steindlegger besorgt.

Großer Irrtum

Die Studie zeigt weiters, dass nicht nur Länder mit hochentwickelter Forstwirtschaft besondere Stärken aufweisen. Die ost- und südeuropäischen Länder können durchaus mit Österreich mithalten. Nahezu jedes europäische Land kann besondere Stärken aufweisen und dadurch zum Vorbild für die anderen werden.

Österreich ist in der glücklichen Lage, ausreichend Wälder zu haben. Um diesen österreichischen Schatz auch langfristig erhalten und schützen zu können, fordert der WWF die heimische Forstwirtschaft zu mehr Verantwortungsbewusstsein auf. Nationale und internationale Gesetze und Zugeständnisse sind zu wenig - der gute Wille muss auch im Wald sichtbar werden.

(siehe auch APA/AOM - Original Grafik Service)

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