Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunkmasten: Keine Entwarnung

Wien, (OTS) Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sind besorgt über die Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung, welche
von Handys (Mobilfunk) und Sendemasten ausgehen - und immer mehr Menschen haben das Gefühl, unter dem wachsenden "Elektrosmog" zu leiden. Die zunehmende Dichte der Sendemasten von ständig neuen Handy-Netzbetreibern stört AnrainerInnen nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern verschandelt auch das Landschaftsbild - sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Bei
der Wiener Umweltanwaltschaft steigt die Zahl der Beschwerden betroffener Bürgerinnen und Bürger rasant an. Und die WUA stellt fest, dass man aus heutiger Sicht keineswegs von einer Entwarnung sprechen kann, wenn es um mögliche Gesundheitsgefährdung durch Sendemasten geht.****

Die Mobilfunkbetreiber bemühen sich zwar um positive Öffentlichkeitsarbeit, verabsäumen es jedoch, die aufgeworfenen Fragen zur Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische Felder objektiv und sachlich zu untersuchen.

Nach Meinung namhafter Wissenschaftler und Mediziner können negative Auswirkungen des Mobilfunks zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Daran kann auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des Wissenschaftsministeriums nichts ändern, die lautstark und medienwirksam propagiert: Keine Gesundheitsgefährdung durch hochfrequente Felder des Mobilfunks!

Die Wiener Umweltanwaltschaft fordert seit langem vom Gesetzgeber, beim Mobilfunk das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Und
das sollte nicht nur für die gut untersuchten und bekannten thermischen Auswirkungen, die zu einer Erwärmung des Zellgewebes führen, gelten ,sondern auch für die nicht-thermischen Wirkungen .Während nämlich ein Gesundheitsrisiko durch die thermische Wirkung dieser "Strahlung" bei Einhaltung der geltenden
Grenzwerten nach einstimmiger Ansicht der Fachwelt tatsächlich auszuschließen ist sind, spießt es sich bei den nicht–thermischen Auswirkungen.

Die bereits erwähnte, im Auftrag des
Wissenschaftsministeriums erstellte Studie weist einige bemerkenswerte Eigenheiten auf: nicht nur, dass sie zum Großteil lediglich aus einer Literaturrecherche und der Bewertung von international zum Thema durchgeführten Studien besteht - und in
der Schlussfolgerung einen Freibrief für die Mobilfunkbetreiber bedeutet - wurde sie auch genau von jenem Professor Dr. Silny erarbeitet, der im Auftrag der Mobilfunkbetreiber im vergangenen Jahr im Rahmen einer Workshop–Reihe durch Österreich tourte, um über die Unbedenklichkeit von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks zu referieren.

Nun gibt es aber eine ganze Reihe namhafter und unabhängiger Wissenschafter und Mediziner, wie beispielsweise Prof. Dr. Michael Kundi vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien, Prof. Mag. Dr. Knasmüller und Dr. Wilhelm Moosgöller vom Institut für Tumorbiologie und Krebsforschung der Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Peter Eckel vom Institut für Genetik und Entwicklungsbiologie von der Universität Salzburg, Dr. Gerd Oberfeld, Umweltreferenten der österreichischen Ärztekammer, und medizinischer Amtsachverständiger der Abteilung Umweltmedizin der Landessanitätsdirektion Salzburg, welche die Problematik auch und vor allem der nichtthermischen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Grund der bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien wesentlich differenzierter sehen als Prof. Silny. Deren klare Aussage aber lautet, dass biologische Effekte im Niedrigdosisbereich als wissenschaftlich gesichert anzusehen sind. Eine Erkenntnis, die übrigens bereits vor einem Jahr in einer Resolution internationaler Wissenschafter ihren Niederschlag fand, die an einer von der Universität Wien veranstalteten Tagung zum Thema "Mögliche biologische und gesundheitliche Auswirkungen elektromagnetischer Felder"
teilnahmen.

Es stellt sich die Frage, warum das Wissenschaftsministerium keine unabhängigen (und wohl auch unbefangeneren) WissenschafterInnen und ÄrztInnen beauftragt hat, solch eine
Studie zu erstellen. Die Wiener Umweltanwaltschaft stimmt der in
der Fachwelt herrschenden Ansicht zu, dass man derzeit aus wissenschaftlicher Sicht keine gesicherten Aussagen über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Gefährdungen dieser Effekte treffen kann. Daher kann man zum jetzigen Zeitpunkt ein Gesundheitsrisiko auch nicht ausschließen, wie dies als Schlussfolgerung in der erwähnten Studie behauptet wird.

Dazu Umweltanwältin Dr. Karin Büchl-Krammerstätter: "Wir halten es für fahrlässig und unverantwortlich, bloß auf Grund einer Literaturrecherche bisheriger Studien beim derzeitigen Wissensstand eine Gesundheitsgefährung durch hochfrequente Felder des Mobilfunks generell auszuschließen. Vielmehr sollte die Bundesregierung ihre Verantwortung hinsichtlich eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes gegenüber der betroffenen Bevölkerung wahrnehmen und dringend entsprechende Vorsorgewerte gesetzlich verankern, die die bislang bekannten und wissenschaftlich belegten Effekte hochfrequenter Strahlungen im Niedrigdosisbereich berücksichtigen."

Auch in einer Mobilfunkpetition, die am 30.11.1999 an Nationalrat übergeben wurde, war dies eine der zentralen Forderungen, die von Ärzten, Wissenschaftlern, den Umweltanwälten Österreichs, Vertretern von Bürgerinitiativen, sowie Nationalratsabgeordneten der SPÖ, FPÖ und der Grünen unterstützt wurden.

Auf freiwilliger Basis werden solche Vorsorgewerte (die etwa
um den Faktor 6000 geringer sind als die derzeitigen Grenzwerte
der ÖNORM, welche lediglich vor der Wärmewirkung dieser hochfrequenten elektromagnetischen Felder schützen) bereits als medizinische Vorsorgemaßnahme in der Stadt Salzburg bei der Aufstellung von Mobilfunkmasten berücksichtigt. Trotz dieser Vorgangsweise ist der weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes im notwendigen Umfang technisch weiterhin möglich gewesen und auch zukünftig nicht gefährdet. Darüber hinaus ist in den meisten Fällen leichter ein Konsens und eine Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung erreicht worden. (Schluss) wua

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Umweltanwaltschaft
Dip. Ing. Alfred Brezansky
Tel.: 37979/88 986
e-mail: bra@wua.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK