Tourismus-Winter 2000: Personalmangel oder Lohndumping?

Unternehmer "reservieren sich" Arbeitslose auf Steuerzahlerkosten

Wien (ÖGB/HGPD) "Trotz Hochsaison gehen Kellner stempeln" und "Es fehlen noch 5000 Arbeitskräfte" - so lauteten Schlagzeilen im Dezember 1999. Gleichzeitig waren österreichweit 24.224 ArbeitnehmerInnen aus dem Tourismusbereich als Arbeitslose gemeldet. Horrorszenarien wurden beschworen, von Betrieben, die nicht aufsperren können und von geschirrspülenden Gästen. "Diese Behauptungen sind wie Seifenblasen zerplatzt", erklärt Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD).++++

"Jene Unternehmer - und das war die große Mehrheit - die sich ihr Personal rechtzeitig gesichert haben und annehmbare Lohn- und Arbeitsbedingungen geboten haben, konnten sich nicht über Personalmangel beklagen", weiß Kaske. Leider würden aber Angebote mit einem 16-Stundentag, einer 6-Tage-Woche und Löhnen unter dem Kollektivvertragsniveau immer häufiger. Und das in Zeiten, in denen sich der Österreich-Tourismus wieder einmal über einen Nächtigungszuwachs von 4,3 Prozent freuen kann. Kaske: " Die Erfolge der Tourismuswirtschaft sind immer auch Erfolge eines qualifizierten Personals."

Lohndumping durch Saisonniers

"Wenn wir uns so heftig gegen eine Aufstockung des Saisonnierskontingents gewehrt haben, dann ist das nicht Ausländerfeindlichkeit, sondern hat wichtige Gründe", erklärt HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske. Saisonniers sind Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten, die maximal ein halbes Jahr in Österreich beschäftigt sein dürfen. "Diese ausländischen Arbeitskräfte bekommen oft Niedrigstlöhne, da geht es nicht nur um einen Bedarf an Arbeitskräften, da geht es auch um Lohndumping", empört sich Kaske.

Arbeitslos doch "reserviert"

Empört ist der HGPD-Vorsitzende auch über Unternehmer, die nicht nur mit dem Personal, sondern auch mit Steuergeldern sorglos umgingen. Im Tourismus ist es nämlich durchaus üblich, sich ArbeitnehmerInnen mittels einer Einstellungszusage zu "reservieren". Kaske: "Alle Jahre wieder werden im so genannten Jännerloch Arbeitskräfte freigesetzt und mit der Zusage versehen, dass sie im Februar, in den Energieferien, wieder im selben Betrieb arbeiten können, in der Zwischenzeit wird Arbeitslosengeld bezogen." Laut einer Abfrage beim AMS am 5.Jänner 2000 sind in ganz Österreich 5132 Arbeitslose reserviert. (kk)

(Fortsetzung)
ÖGB, 20.Jänner 2000 Nr. 22

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