"Kleine Zeitung" Kommentar: "Doppelspiel" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 20. 1. 2000

Graz (OTS) - Ist das bereits Schizophrenie im fortgeschrittenen Stadium, was die
sozialistischen Gewerkschafter in der Nacht der Entscheidung aufführten?

Zuerst stimmten sie im Fraktionsvorstand gegen das zentrale Kapitel des Koalitionspaktes, um sich anschließend im Parteipräsidium einstimmig für die Regierung und ihr Propgramm auszusprechen.

Halten sich Fritz Verzetnitsch, Rudolf Nürnberger und Genossen an den ersten Teil ihrer Beschlüsse, dann arbeiten sie auf den Sturz des Bundeskanzlers hin. Viktor Klima wird sich nicht halten können, wenn er bei der Anhebung des Frühpensionsalters und bei den Einsparungen in der Beamtenschaft einknickt.

Ist ihnen aber der zweite Teil des Abstimmungsreigens, nämlich die Erhaltung der sozialistischen Regierungsmacht, wichtiger, müssen sie sich untreu werden und einlenken.

Einige Zeit lässt sich mit der Bewusstseinsspaltung leben, nicht jedoch auf Dauer. Der ÖGB-Präsident hat sich an das Doppelspiel schon so gewöhnt, dass er gar nicht bemerkt, wie seine Glaubwürdigkeit schwindet. Für ihn und die Präsidentenkollegen der Sozialpartner gibt es nur eine Therapie: Sie können nicht gleichzeitig in den Kammern und im Parlament sitzen. ****

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