Carnuntum: Ausgräber lösten ein Rätsel

Heidentor war Triumphalmonument des Kaisers Constantius II.

St.Pölten (NLK) - Archäologische Grabungen rund um das Heidentor, geheimnisvolles Wahrzeichen der Römerstadt Carnuntum, schufen Klarheit über das einzige, aus der Römerzeit stammende und aufrecht stehende Bauwerk: Der römisches Kaiser Constantius II., von 337 bis 361 n.Chr. an der Macht, ließ sich hier in den Jahren 350 bis 360 n.Chr. ein Triumphalmonument errichten. Mit dieser Erkenntnis ist ein großes Rätsel der Archäologie gelöst, denn bisher galt das Heidentor als Bauwerk, dessen Errichtung man schon in den Jahren 307 oder 308, im Zuge einer Kaiserkonferenz in Carnuntum, vermutete. Bei der wissenschaftlichen Auswertung der Funde im vergangenen Jahr rund um das Heidentor kam man aber zu einem ganz anderen Ergebnis. Heuer wird - in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt - mit der Restaurierung des Heidentores begonnen. Sie soll bis 2001 abgeschlossen sein. Am 1. Februar 2000 beginnt EU-weit die Anbotseröffnung. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen bei 15 Millionen Schilling.

Damit ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Projekte der Carnuntum-Forschung ein ganz entscheidendes Stück weitergekommen. Die Gesamtbilanz der Ausgrabungen in der Römerstadt zeigt aber, daß noch große Aufgaben auf die Wissenschafter warten. "Die Ausmaße der Römerstadt Carnuntum sprengen im internationalen Vergleich alle Maßstäbe. In der 150jährigen Geschichte der Ausgrabungen in Carnuntum wurden erst 10 Prozent freigelegt und wissenschaftlich bearbeitet. Auch die restlichen 90 Prozent zu erforschen, ist ein äußerst langwieriges Programm, und es ist klar, dass dies eine nationale Aufgabe für Österreich darstellt und dass nicht Niederösterreich alleine diese Last tragen kann", stellt der zuständige Sachbearbeiter des Landes, Univ.Prof. Dr. Werner Jobst, fest.

Die Erforschung und Wiederherstellung des Heidentores ist derzeit wichtigster Schwerpunkt der Arbeiten im Archäologiepark Carnuntum. Intensiv wird auch am "Projekt Pfaffenberg" weitergearbeitet. Der Tempelbezirk über dem Steinbruch von Hainburg wurde in den letzten Jahren völlig abgetragen, das reiche Fundmaterial wird in internationaler Kooperation aufgearbeitet und soll später in dem noch zu errichtenden Pfaffenberg-Museum zur Schau gestellt werden. Für die weiteren Arbeiten in der Zivilstadt in der Nähe des Schlosses Petronell, direkt am heutigen Eingangsbereich des Archäologieparks gelegen, hofft man auf einen Bundeszuschuss, um die Arbeiten hier weiterführen zu können.

Das Arbeitsprogramm für Carnuntum im heurigen Jahr befasst sich aber auch mit dem unvorstellbar reichen Fundmaterial. Jobst schätzt den derzeitigen Stand an Funden auf 250.000 Exponate, alljährlich kommen tausende dazu, die auch einen hohen materiellen Wert darstellen. Die vor Jahren gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften begonnene wissenschaftliche Bearbeitung der rund 70.000 Stück umfassenden Münzsammlung läuft weiter und soll bis 2003 abgeschlossen sein, sodass man sich auf andere Sammlungsgegenstände konzentrieren kann.

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