"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Wer mag die neue Regierung?

Ausgabe vom 19.01.2000

Klagenfurt (OTS) - Die letzten Tage, Nächte, Stunden haben ein Minimum an Information, ein Maximum an Spekulation und Verunsicherung ergeben. Der Abschlussknoten ließ und ließ sich nicht schnüren. Das ehrgeizige Paket einer Koalition neu war bereits so vollgepackt, dass es Klima und Schüssel kaum mehr zuzumuten war, es auch zu "derheben". Und viele jener, die bei Rot und bei Schwarz mitanpacken sollten, hauten kurz vor dem letzten Kraftakt den Hut drauf. Die Regierung war schon ungeliebt, bevor es sie gibt.

Nun, eine Regierung muss nicht geliebt, aber zumindest von den eigenen Parteigängern und Partnern akzeptiert werden. Und diese Akzeptanz konnte man gestern mit der Lupe suchen. Ja selbst die äußerst kargen Wortspenden von Klima und Schüssel verrieten nur eins:
man mag sich selbst nicht mehr. Die Koalition neu kostet jedem der beiden Partner enorme Substanz. Doch - und das wissen alle -Neuwahlen kosten entscheidend mehr.

Überrascht vom Ausmaß der Selbstaufgabe sollte eigentlich niemand sein. Es konnte nicht so weitergehen, es musste anders kommen. Und das Andere ist gewöhnungsbedürftig. Setzt Vertrauen voraus. Selbstvertrauen und Vertrauen in den Partner.

Davon hat man in den letzten Tagen nichts gesehen. Misstrauen herrschte vor. Doch sollte der weiße Rauch über dem Kanzleramt aufsteigen, wird dieser auch das Ende des Misstrauens markieren müssen. Keine Regierung ist überlebensfähig, die sich nicht mag, die sich selbst misstraut.

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