"Das WirtschaftsBlatt" Kommentar: "15 Milliarden sind viel Geld" von Herbert Geyer -

Ausgabe vom 19.1.2000

Wien (OTS) - Rot und Schwarz haben sich also darauf geeinigt, die Lohnnebenkosten um 15 Milliarden Schilling zu senken. Zehn Milliarden kommen aus der Senkung der Dienstgeberbeiträge zu Insolvenzfonds und Unfallversicherung, den Rest sollen einerseits eine neue Abfertigungsregelung und andererseits die Länder aus der Wohnbauförderung beitragen. 15 Milliarden sind viel Geld. Wenn man bedenkt, dass die vielgerühmte grosse Steuerreform, die mit 1. Jänner wirksam wurde, kaum mehr Erleichterung gebracht hat (der Rest auf gut 30 Milliarden kam ja durch die längst beschlossene Änderung der Familienbesteuerung zu Stande), sind 15 Milliarden an Lohnkostensenkung sogar sehr viel Geld. Noch im vergangenen November schätzte das Wifo das Potenzial für eine Lohnnebenkostensenkung auf bloss zehn bis 16 Milliarden Schilling.Bedenkt man, dass in dieser Rechnung natürlich auch die Überschüsse des Familienlastenausgleichsfonds enthalten waren, die die ÖVP partout für zusätzliche Karenzgelder ausgeben muss, dann muss

man mit dieser Senkung zufrieden sein.Ist man aber nicht.Die vom WirtschaftsBlatt befragten Unternehmer nehmen den Beschluss mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis (siehe Bericht oben), und auch an der Börse ist nicht gerade ein Kaufrausch ausgebrochen (siehe Analyse Seite B6).Denn 15 Milliarden Schilling sind verdammt wenig Geld.Gemessen an der gesamten Lohnsumme Österreichs sind es gerade 0,85 Prozent, um die die Beschäftigung billiger wird. Und das ist nicht viel mehr als der Unterschied zwischen einem guten und einem gerade noch erträglichen Kollektivvertragsabschluss. Und noch immer machen die Lohnnebenkosten (ohne das viel geschmähte 13. und 14. Gehalt) nicht viel weniger aus als das Nettogehalt, das schliesslich der eigentliche Sinn einer Lohnzahlung ist. Die Wirtschaft hat zu lange eine Senkung der unerträglich hohen Lohnnebenkosten gefordert, um jetzt nicht dankbar zur Kenntnis zu nehmen, dass diese Forderung jetzt endlich - wenigstens ansatzweise - erfüllt wird.Sie hat aber auch zu lange darauf gewartet, um jetzt in lauten Jubel auszubrechen. Die angekündigte Senkung ist ein begrüssenswerter Schritt

- nicht mehr. Weitere werden folgen müssen. hg

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