"Neue Zeit" Kommentar: "Hoher Preis" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 18. 1. 2000

Graz (OTS) - Egal, ob es sich um einen Ausbruch Wolfgang Schüssels am Höhepunkt interner Streitigkeiten gehandelt hat - "wenn die Steirer immer alles besser wissen, soll halt die Waltraud den Kanzler machen" - oder doch um ein von ihm ernst gemeintes "Angebot": So wenig wie Christoph Schönborn Maria Rauch-Kallat die Papst-Nachfolge anbieten kann - obwohl auch das "epochal" wäre und sie immerhin am Sonntag die Regierungsverhandlungen zum Kirchgang verlassen hatte -, so wenig kann Schüssel irgend jemandem das Kanzleramt anbieten. Er "hat" es nämlich gar nicht.

Was bleibt, ist ein weiterer Akt der Selbstbeschädigung der VP:
Klasnic wird als "Leider-Nein-Kanzlerin" lächerlich gemacht und dem Verdacht ausgesetzt, um den Preis eines persönlichen Aufstiegs könnte sie auf ihr Beharren auf die Oppositionsansage verzichten. Wolfgang Schüssel wird unterstellt, während der Verhandlungen mit der SP eben doch Paralellgespräche mit der FP geführt zu haben. Überdies darf er sich für seine weise Einsicht loben lassen, "dass er seine Grenzen kennt" und daher jemand anderen für das Kanzleramt vorgeschlagen habe. Und Gerhard Hirschmann beherrschte mit seiner Begeisterung für die "wunderbare Idee Schüssels, die nicht besser sein könnte", zwar einen halben Tag lang die Medien, musste sich dann aber von Klasnics gestriger Pressekonferenz wegschicken lassen. Alles in allem ein hoher Preis für einen Versuch, die rot-schwarzen Verhandlungen nochmals im Sinn von Schwarz-Blau zu stören.

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