"Neue Zeit" Kommentar: "Putsch und Barrikaden" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 16. 1. 2000

Graz (OTS) - Wer ist das? Er "warnt" den Bundespräsidenten vor einem "Putsch gegen die Wähler" und droht gleichzeitig mit dem "Gang auf die Barrikaden"? Erraten. Jörg Haider, wer sonst?

Haider kann Kreide fressen, so viel er verträgt. Wenn es hart auf hart geht, wenn vor allem seine Rechnungen nicht aufgehen, dann kommt wieder der alte Haider an die Oberfläche, wie man ihn seit Jahren kennt. Der alte Haider, der nur in den Schemata von Feind und Freund denken kann. Für den sich der Bundespräsident nur an die Verfassung hält, wenn er ihm zu Willen ist. Dem in einer demokratischen Auseinandersetzung Bürgerkriegs-Vokabel wie "Putsch" und "Gang auf die Barrikaden" locker über die Lippen kommen.

Es mag ein Fehler gewesen sein, dass Thomas Klestil im Zuge seiner Wiederwahl-Kampagne bei Haider den Eindruck entstehen ließ, für ihn sei eine FP unter dessen Führung regierungsfähig. Damit hat er bei Haider offensichtlich falsche Erwartungen geweckt, deren Enttäuschung nun in Wut umschlägt.

Wie recht Klestil aber mit seiner jetzigen Haltung hat, Haider den Weg in die Regierung zu versperren, hat dieser mit seinem gestrigen Ausritt neuerlich bewiesen. Österreich habe "eine lange autoritäre Erfahrung", es dürfe jetzt "nicht wieder Anflüge in diese Richtung geben". So Haider gestern. Richtig. Es ist Sache des Bundespräsidenten, solche "autoritäre Anflüge" in der Regierung zu verhindern, indem er Haider von ihr fernhält.

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