"Neue Zeit" Kommentar: "Gelbe Karte" von Peter Kolb

Ausgabe vom 15.1.2000

Graz (OTS) - Man kann nur darauf hoffen, dass SP-Bundesgeschäftsführer Andreas Rudas richtig liegt mit seiner Einschätzung: dass es nämlich in den Gesprächen zur Regierungsbildung anders laufe als es viele öffentliche Äußerungen vermuten lassen. Geht man nach den gestrigen Äußerungen von Michael Häupl oder nach der Aussage von JVP-Chef Wolfgang Amon ("Rotschwarz hat keinen Sinn"), so steht gar nichts zum Besten und SP-Vorsitzender Viktor Klima wie auch VP-Obmann Wolfgang Schüssel müssen zu Beginn der nächsten Woche in die Hofburg pilgern.

Ein Eingeständnis des Scheiterns der Gespräche zwischen SP und VP will Klestil aber auf gar keinen Fall hinnehmen. Deshalb hat er gestern in einer bisher bei einem Bundespräsidenten selten dagewesenen Schärfe die beiden Parteien vor einem erfolglosen Abschluss der Verhandlungen gewarnt. Denn Klestil weiß nur zu genau, dass seine Reputation mit auf dem Spiel steht - im Lande wie auch international.

Auch die Stimmung im Lande - für Häupl offenbar Anlass für seine Drohung - sollte nicht mehr unterschätzt werden. Denn es ist durchaus bedenklich, wenn viele Österreicher sich einfach nur mehr irgendeine Regierung wünschen, als sich das ewige Verhandeln scheinbar ohne Resultate noch länger mitansehen zu müssen. Klestil hat den Verhandlern die gelbe Karte gezeigt. Mehr kann er nicht tun. Seine Warnung sollte ernst genommen werden. Sonst ziehen die Wähler bei eventuellen Neuwahlen für SP und VP sicher die "Rote".

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