"Neue Zeit" Kommentar: "Zentrifugale Kräfte" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 13. 1. 2000

Graz (OTS) - Mag sein, dass die Parteispitzen von SP und VP
einander durch ihre Dauergespräche näherkommen. In den Parteien selbst verstärken sich die zentrifugalen Kräfte.

Aus der VP hört man, dass die Parteigranden aus Ländern und Bünden von Wolfgang Schüssel gefordert haben, vor einem allfälligen Abschluss mit der SP und noch vor dem formellen VP-Bundesvorsdtand nochmals gehört zu werden. Und dass es in diesem Kreis derzeit kaum eine Mehrheit für eine neuerliche SP-VP-Koaliton gibt. In der SP verstärkt sich wiederum der Unmut über die Art und Weise, wie die VP von Sitzung zu Sitzung taktiert und wie Viktor Klima - mangels einer anderen Option - mit sich umspringen lassen muss. Verstärkt wird das durch den Eindruck, dass die SP einmal mehr bereit zu sein scheint, der VP Zugeständnisse zu machen, die ausschließlich zu Lasten ihrer Klientel gehen, während die VP-Kerntruppen ungeschoren bleiben sollen. Ob die vom steirischen SP-Landeschef Peter Schachner und seinem oberösterreichischen Kollegen Erich Haider gestern neuerlich forcierte Minderheitsregierung wirklich einen Ausweg böte, mag man bezweifeln. Der Stimmungslage innerhalb der SP entspricht dieser Vorstoß sicher.

Je länger die Verhandlungen dauern, umso schwieriger könnte es also für die Parteiführungen werden, ihre Parteien wieder in das Boot zuholen. Von Schüssel heißt es, dass er dazu wohl die Vertrauensfrage wird stellen müssen. Und dass es offen ist, wie die ausgeht.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit, Tel.: 0316/2808-306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS