"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nervenkrieg" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 13.01.2000

Graz (OTS) - Hinter den Polstertüren wird angeblich sehr ernst verhandelt, dafür wird auf der Straße laut gelärmt. Je näher die Entscheidung rückt, ob Rot und Schwarz ihre Ehe fortsetzen, desto härter wird der Nervenkrieg.

Die ÖVP hat Rudolf Edlinger ins Visier genommen und will ihn offensichtlich aus der SPÖ-Riege herausschießen. Das Finanzministerium wäre eine Trophäe, mit der Wolfgang Schüssel die Schwankenden in seiner Partei überzeugen könnte.

Die SPÖ zückt ihr Trumpfass, indem sie droht, der ÖVP alle Sessel vor die Tür zu stellen. Aus der zweiten Reihe ertönt der Ruf nach einer Minderheitsregierung, wenn die Schwarzen nicht klein und vor allem rasch beigeben.

Nun könnte man die Wortspenden der diversen Landespolitiker als eine von der Parteizentrale angeordnete Pflichtübung abtun, wäre in dieses Störmanöver nicht der Bundespräsident involviert. Er und nicht irgendein SPÖ-Funktionär entscheidet darüber, ob es zu einer Minderheitsregierung kommt.

Als Viktor Klima bald nach den Wahlen erstmals laut über ein Minderheitskabinett nachdachte, rief ihn Thomas Klestil barsch zur Ordnung. Wenn der Bundespräsident jetzt schweigt, lässt er sich zum Handlanger machen. ****

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