Causa Freistadt: BÖC FORDERT UMGEHENDE STRUKTURMASSNAHMEN

Wien (OTS) - Prim. Dr. Franz STÖGER, Präsident des Berufsverbandes österreichischer Chirurgen (BÖC), nahm heute Stellung zum soeben veröffentlichten Bericht der Expertenkommission in der Causa Freistadt. Das Gutachten der Expertenkommission verdeutliche einmal mehr, dass Sparmassnahmen im Gesundheitswesen vor allem auf dem Rücken von Patienten und Ärzten ausgetragen werden: So habe die 1997 eingeführte Rufbereitschaft den Spitalsbetrieb nicht gerade sicherer gemacht. Darüber hinaus ortet Stöger vor allem politisches und weniger medizinisches Versagen im Fall Freistadt.

Vor allem aber, so Stöger, fehle es österreichweit an entsprechender finanzieller Unterstützung für längst fällige Strukturmaßnahmen im Spitalsbereich, um zu mehr Sicherheit für Patient und Arzt zu kommen.

Stöger, selbst Primarius der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus Tulln, weiss wovon er spricht: In diesem Zusammenhang weist er einmal mehr auf die vom BÖC initiierte EDV-gestützte Qualitätssicherung hin. Diese wird seit 1.1. 2000 in der Praxis -erstmalig mit Unterstützung öffentlicher Gelder des NÖGUS - an Niederösterreichs Spitälern anhand der sechs häufigsten Diagnosen (Blindarm, Gallenblase, Leistenbruch, Brustkrebs, Schilddrüse und Krampfadern) durchgeführt.

Der Vergleich macht sicher - auch in der Chirurgie!
Mit Hilfe einer breiten Palette EDV-gestützter Selektions- und Korrelationskriterien wäre erstmals ein österreichweiter Vergleich -soferne die Umsetzung politisch durchsetzbar ist - möglich. Es geht dabei um die praktische Anwendung von korrelierbaren Daten und nicht um das Sammeln von EDV-Daten in "einem Datenfriedhof".

Als Beispiel führt Stöger den Verlauf im Umgang eines an akutem Blinddarm erkrankten Patienten an: "Wieviel Zeit ist erforderlich, um den Patienten von der Aufnahme bis zum OP bzw. bis zum abgeschlossenen Eingriff zu "schleusen'"? Und hier setzt der Chirurg gleich eine Warnung daran: "Nicht immer ist der schnellste Operateur auch der Beste!". Eine gesicherte Anamneseerhebung (z.B. bei Frauen der gynäkologische Bereich, um Fehldiagnosen auszuschliessen) durch gezielte Fragestellungen ist ein wesentliches Qualitätskriterium. Derartige Fragestellungen sind im BÖC- Qualitätssicherungprogramm enthalten, dokumentierbar und österreichweit unter den chirurgischen Abteilungen korrelierbar.

Mit diesem System lässt sich, wenn - wie Stöger hofft - im Laufe des Jahres 2000 österreichweit alle chirurgischen Abteilungen eingebunden werden können, ein "Frühwarnsystem" einrichten, sodaß es nie wieder zu einem Fall Freistadt kommen sollte.

Rückfragenhinweis: Berufsverband österreichischer Chirurgen (BÖC) Dominikanerbastei 21/19, A-1010 Wien
Tel. 01/ 533 35 42, Mobil: 0664-34 00 915 e-mail: chirurgie@aon.at

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