DER STANDARD bringt in seiner Mittwoch-Ausgabe einen Kommentar zum Thema Medienfusion AOL-Time Warner: "Schmeckt nach Microsoft" von Luise Ungerboeck

Ausgabe 12.1.2000

Wien (OTS) - Auf den ersten Blick beeindruckt der neue
Medien-Riese AOL Time Warner vor allem durch seine Größe. Der Börsenwert von Viertausendsiebenhundert Milliarden Schilling ist fast doppelt so hoch wie die gesamte Leistung der österreichischen Volkswirtschaft.

Beeindruckend ist auch der "Geschäftsgegenstand" des neuen Giganten, verbindet dieser doch die klassische Zeitung mit TV, Kino, Unterhaltung, Computersoftware und Internet. Einzigartig daran ist allerdings nicht nur die breite Palette an Produkten und Dienstleistungen, sondern die Schlüsselposition des Internet. Durch das weltweite AOL-Datennetz, das bereits jetzt mehr als 20 Millionen Haushalte erreicht, bietet der Medien-Riese nämlich erstmals einen echten virtuellen Bauchladen.

Seinem frühen Riecher für das Internet verdankt AOL auch seinen seltsam hohen Börsenwert. Daneben wirkt der Traditionskonzern Time Warner geradezu mickrig. Dieser spektakuläre Marktwert ist in gewisser Weise ebenfalls virtuell, basiert er doch, salopp ausgedrückt, nicht auf dem Unternehmensgewinn, sondern aus einer Menge Internet-Adressen von AOL-Abonnenten und der Hoffnung auf eine rosige E-Commerce-Zukunft. Eine Premiere ist die Mega-Fusion, so sie genehmigt wird von den Kartellwächtern und Aktieneigentümern, insofern, als erstmals ein virtueller Unternehmenswert einer Prüfung in der realen Wirtschaft unterzogen wird.

Bei so viel Enthusiasmus für die neue, virtuelle Welt bleibt nun die Frage, welche Rolle den guten, alten Kunden daheim in den Wohnzimmern zugedacht ist. Werden sie außerhalb des AOL-Konzerns, dem sogar Telefonleitungen gehören, auch noch etwas kaufen können, oder werden sie überrollt von einer Marktmacht. Das schmeckt bitter nach Microsoft.

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