"Kleine Zeitung" Kommentar: "100 Tage" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 12.1.2000

Graz (OTS) - Für gewöhnlich erhält ein Politiker eine Schonfrist von hundert Tagen, ehe die Kritiker ihr Urteil über sein Tun und Unterlassen abgeben.

In Österreich ist es derzeit anders. Wir können keine Zensuren verteilen, weil wir keine neue Regierung haben. Gestern war es der 100. Tag, heute schreiben wir den 101. Tag ohne Regierung.

Halt. Da stimmt doch etwas nicht.

Natürlich haben wir eine Regierung, nämlich jene, die vom Bundespräsidenten mit der Fortführung der Geschäfte betraut wurde und die so lange im Amt bleibt, bis eine wirklich neue Regierung angelobt wird.

Die Väter unserer Verfassung haben für den Fall vorgesorgt, dass die Parteiführer Zeit brauchen, um nach der Wahlschlacht die Wunden zu lecken.

Noch wissen wir zwar immer noch nicht, ob sich Rot und Schwarz wieder finden, doch ist es besser, wenn die bisherigen Koalitionspartner den Kassasturz machen und die Liste von Einsparungen erstellen, als wenn sie gleich Wahlzuckerl wie das Karenzgeld für alle ausgeteilt hätten.

Das wäre noch teurer gekommen. Insofern kann man ruhig weiter zählen. Ob 100 oder 110 Tage ist gleichgültig. ****

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