Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Drückender Schuh

Ausgabe vom 11.1.2000

Die Diskussionen in Österreich und in Deutschland um das Pensionsantrittsalter irritiert deshalb, weil sie auf den ersten Blick diametral entgegengesetzt und jeweils antizyklisch zu verlaufen schent. Geht es in Deutschland um einen deutlich leichteren Zugang zur "Rente mit 60", so geht es in Österreich genau umgekehrt um einen erschwerten Zugang zur so beliebten Frühpension. Ziel der Deutschen ist dabei eine Entlastung des Arbeitsmarktes. Ziel der Österreicher ist dabei eine Entlastung der Pensionskassen. Oder anders gesagt:; es geht um sichere Arbeit da und sichere Pension dort. Ein Widerspruch? Nen. Es ist die Frage, wo ein und derselbe Schuh gerade am meisten drückt.
Der drückende Schuh bleibt in beiden Fällen der gleiche. Verlagert wird die Blasenbildung, die Reibstelle. Eine befriedigende Dauerlösung ist deshalb nicht möglich, weil sich die Volumina von Erwerbsarbeit und Pensionen ständig ändern. Da rasante Rationalisierung und Beitragsminimierung durch Teilzeit, dort eine demographische Entwicklung, die jedes längerfristige Rentenversprechen Lügen straft. Noch ist ein Austarieren durch Hinauf- oder Herabsetzung des Pensionsantrittsalters möglich. Doch für wie lange, für welche Frist? Langfristig mit Sicherheit nicht. Langfristig wird man wohl den Schuh wechseln müssen. Das aber bedeutet eine arbeits- und sozialpolitische Revolution. Des Bürgers Selbstwert würde sich nicht mehr über Begriffe wie Arbeit oder Ruhestand definieren. Die Alternative zeichnet sich ab: Grundgehalt oder Spaltung der Gesellschaft.

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