Telekom-Börsegang: General Werner Kasztler kritisiert Eigentümer scharf

"Bin mit der Behandlung der Telekom nicht einverstanden"

Wien (OTS) - Telekom-General Werner Kasztler kritisiert in einem Interview mit dem morgen erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT mit ungewöhnlich scharfen Worten den Eigentümer Bund. Zur Diskussion, daß der Erlös des bevorstehenden Telekom-Börseganges zur Abdeckung von Verstaatlichten-Schulden verwendet werden soll, meint Kasztler:
"Jeder Eigentümer kann mit seinem Besitz machen, was er für richtig hält. Aber als Manager der Telekom Austria möchte ich schon festhalten, daß ich mit der Art, wie das Unternehmen behandelt wird, nicht einverstanden bin. Wenn die Erlöse aus dem Börsegang ausschließlich für Verstaatlichten-Schulden aus den 60er-Jahren verwendet werden, dann werden alte Sünden mit neuen Fehlern bekämpft."

Im FORMAT-Interview fordert Kasztler unmißverständlich einen Anteil an den erwarteten mindestens 35 Milliarden Schilling für die Telekom: "Ein Teil sollte durch eine Kapitalerhöhung dem Unternehmen zugute kommen. Wir brauchen Geld für neue Dienste, für die Internet-Expansion und für die Eroberung neuer Märkte. Es muß ein klares Signal an die Aktionäre geben, daß wir über genügend Mittel für Zukunftsprojekte verfügen."

Heftige Kritik übt Kasztler im FORMAT auch am Chef der Telekom Control, Heinrich Otruba, der für die Überwachung des Wettbewerbs auf dem Telefonmarkt zuständig ist: Wenn Professor Otruba öffentlich sagt, daß wir zuviel verdienen, er unsere Gewinne beschneiden wird und auch noch unsere neuen Produkte ankündigt, dann ist das ungeheuerlich. So was gibt es auf der ganzen Welt nicht. Wie sollen wir einen Börsegang machen, wenn eine staatliche Behörde unsere Gewinne diktiert? Würden wir schon notieren, wäre das Insiderinformationen und damit kursbeeinflussend."

Der Politik stellt Kasztler die Rute ins Fenster, die Rahmenbedingungen für die Telekom bis zum Börsegang zu ändern. FORMAT zitiert wörtlich: "Die Erwartungen an die TA sind so widersprüchlich, daß sie in Summe nicht erfüllbar sind. Eine Behörde schreibt uns vor, daß wir weniger verdienen und Marktanteile verlieren müssen. Wir sollen kein frisches Kapital kriegen. Wir können nur eingeschränkt Kosten sparen, weil wir 80 Prozent Beamte haben. Und wir sollen bei verordneten Gebührenfreistellungen auch noch Sozialsponsor spielen. Wird diese unrealistische Situation nicht entschärft, habe ich Zweifel, ob wir an der Börse erfolgreich sein werden."

Zur diskutierten Fusion der beiden Staatsholdings ÖIAG und PTBG, eine politisch brisante Frage, meint Kasztler im FORMAT: "Ich bin nicht der Eigentümer. Persönlich glaube ich, daß es eher keinen Sinn macht. Wenn man den strategischen Einfluß auf Telekommunikation, Energie und Verkehr behalten will, bringt das nichts. Denn für uns gelten ganz andere Bedingungen als für die Industriebetriebe der ÖIAG." Der Staat soll seinen Einfluß also erhalten? "Das ist eine Entscheidung der neuen Regierung. Ich würde mich bei Telekommunikation oder Energie nicht komplett zurückziehen. Diese Bereiche dienen der Sicherheit des Landes. Polizei, Bundesheer oder Bildungswesen werden ja auch nicht privatisiert."

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