Frauengerechtere Bildungs- und Weiterbildungsangebote notwendig

Ergebnis der ibw-Studie: Unter besseren Bedingungen würden 15 Prozent mehr Frauen arbeiten wollen

Wien(PWK) - "Bei der Analyse der Erwerbsbeteiligung von Frauen wird generell dem Faktor Bildung eine zentrale Bedeutung beigemessen. Das Ziel einer höheren Erwerbsbeteiligung der Frauen wird vorwiegend durch eine verbesserte Ausbildung zu erreichen versucht", erläutert Kurt Schmid vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) die momentane Situation der Frauen. "Der Zusammenhang zwischen Bildung, Beschäftigung und vor allem individueller Lebenssituation von Frauen und darauf aufbauend die Ableitung potentieller Weiterbildungsbedürfnisse bildete den Kern der Studie", so Schmid.

Ein Vergleich der Männer- mit den Frauengruppen zeigt, dass Vollzeitbeschäftigung im Sinne von mindestens 80 Prozent des potentiellen Erwerbslebens die männliche "Normalbiografie" ist. Bei Frauen ist dieser Anteil viel geringer und betrifft nur etwa 35 Prozent aller Frauen. Etwa die Hälfte aller Frauen übt zwischen 20 und 80 Prozent ihrer potentiellen Erwerbstätigkeit einen Beruf aus. Das bedeutet aber, dass die "Nur-Hausfrau-Tätigkeit" nur ein temporäres Phänomen in den meisten Frauenbiografien darstellt.

Es gibt vier große "Frauenbiografie-Typen":

+ die "kontinuierlich Beschäftigten", also Frauen, die die überwiegende Zeit einen Beruf ausgeübt haben;
+ die "Unterbrecherinnen" mit mehrmaligem Berufswechsel bzw. mit größeren Unterbrechungszeiten;
+ die "Abbrecherinnen", die längerfristig nicht beschäftigt waren und + Frauen, die noch nie berufstätig waren.

Wie zu erwarten war, korrespondiert ein formaler Bildungsstand, der nicht über die Pflichtschule hinausgeht, mit überproportional hoher Diskontinuität der Beschäftigung. Frauen mit einem Lehrabschluss bzw. einem Abschluss einer weiterführenden Schule (überwiegend BMS -Berufsbildende Mittlere Schule) weisen eine durchgängigere Beschäftigung auf.

Die Umfrage erlaubt auch wertvolle Aufschlüsse über das von den Frauen als optimal empfundene Arbeitsangebotsverhalten im Falle einer Mutterschaft. Befragt ob und wie lange eine Mutter nach der Geburt bei einem Kind bleiben soll, wurden folgende Präferenzen bekundet. In den Altersgruppen ab 40 Jahren bevorzugten alle "Typen" die Variante der Unterbrechung des Berufes bis zum Schulbeginn des Kindes. Lediglich die durchgehend Beschäftigten reihten die Inanspruchnahme der vollen Karenzzeit an erster Stelle. Gänzlich anders stellt sich das Bild in den Altersgruppen unter 40 Jahren dar. Die Mehrzahl der Frauen wollen eine volle Karenz in Anspruch nehmen.

Neben dieser individuellen Reaktion auf eine Mutterschaft wurden auch die Einstellungen der Frauen hinsichtlich frauen- und familienpolitischer Maßnahmen erfasst. Unabhängig von Biografietyp und Alter sprachen sich die Hälfte der Befragten für bessere Arbeitsbedingungen (flexible Arbeitszeiten oder ein Recht auf Teilzeitarbeit) für berufstätige Eltern mit kleinen Kindern aus. An zweiter Stelle wird, je nach Biografietyp, jene politische Maßnahme bevorzugt, die der persönlichen Situation am besten entspricht. Nie berufstätige Frauen und Berufsabbrecherinnen plädieren für eine großzügigere finanzielle Unterstützung (höheres Karenzgeld, höhere Geburtenbeihilfe, höhere Familienbeihilfe). Berufsunterbrecherinnen und durchgehend Beschäftigte geben mehr Kinderbetreuungseinrichtungen den Vorzug.

Fasst man die Gruppe der Frauen, die für verbesserte Arbeitsbedingungen plädierten und die Befürworterinnen von vermehrten Kinderbetreuungseinrichtungen zusammen, so kann man davon ausgehen, dass grob geschätzt 75% aller Frauen im erwerbsfähigen Alter einem Beruf nachgehen wollen. Der Vergleich mit der momentanen Erwerbsquote der Frauen von etwa 60% zeigt ein enormes nicht genütztes Potential auf.

Die Politik ist also gefordert. Dabei kommt dem Aspekt der Weiterbildung eine prominente Stellung zu: Dequalifikation als Folge von Unterbrechung oder Abbruch der Beschäftigung nimmt mit dem rapiden Wandel der Anforderungen an die ArbeitnehmerInnen zu. Berufsspezifische Weiterbildung - in Kombination mit adäquaten Anreizmodellen - kann hier einen wesentlichen Beitrag zur Gegensteuerung dieser Tendenzen leisten. (pt)

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