Wirtschaft verlangt Ausbildungsoffensive 2000

WKÖ-Piskaty: Errichtung von Fachschulen und Forcierung der Lehrlingsausbildung im IT-Bereich

Wien (PWK) - "Am Beginn des neuen Millenniums sollte eine Ausbildungsoffensive in Österreich gestartet werden", stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildung in der Wirtschaftskammer Österreich zu Jahresbeginn fest. "Wesentlich erscheint der Wirtschaft dabei, dass genügend Ausbildungsplätze in den neuen Technologien, besonders auch für interessierte Mädchen, zur Verfügung stehen. Die Wirtschaft schlägt einerseits die Errichtung von Fachschulen im IT-Bereich und Schwerpunktsetzungen in den HTLs für diesen Sektor vor und andererseits die Forcierung der Lehrlingsausbildung in diesen Bereichen", so Piskaty.

Hier sind durch die "neuen Lehrberufe" im IT-Sektor, die vor allem auf Drängen der Wirtschaft und gegen anfänglichen Widerstand der Gewerkschaften eingeführt wurden, beste Voraussetzungen gegeben. Allerdings behindern nach wie vor die starren Rechtsvorschriften für die Lehrlingsausbildung das Engagement gerade jener junger und neuer Betriebe, die sich in diesem dynamischen Sektor nicht mit "pragmatisierten" Lehrlingen abfinden können. Außerdem verlangt die Wirtschaft als kurzfristige Maßnahme die Errichtung von Kollegs im IT-Sektor, die neben anderen Maßnahmen der Erwachsenenbildung die Qualifikationslücke rasch schließen würden.

Moderne Rahmenbedingungen für die Lehre sind ein weiteres Anliegen der Wirtschaft. Dazu zählt vor allem der Abbau der überstarken Verrechtlichung im Lehrlingsausbildungssystem. Lehrverträge sollen unter bestimmten Bedingungen auflösbar werden, Ausbildungsvorschriften rascher modernisierbar sein und Ausbildungsversuche leichter begonnen werden können. Hier hat sich nach Meinung der Wirtschaft die bisherige Mitkompetenz des Sozialministeriums in Lehrlingsangelegenheiten nicht bewährt, weil sie zu monatelangen Verzögerungen bei der Erlassung modernerer Ausbildungsvorschriften geführt hat.

Die Wirtschaft fordert weiters Modelle einer "Top-Lehre" (Lehre plus Matura) und in diesem Zusammenhang eine Überarbeitung der Vorschriften für die Berufsreifeprüfung. In besonders anspruchsvollen Lehrberufen mit 3,5 bis 4-jähriger Lehrzeit soll das Fachgebiet der Berufsreifeprüfung gleichzeitig mit der Lehrabschlussprüfung ablegbar sein. Für schwächere Jugendliche fordert die Wirtschaft Berufsvorbereitungskurse in den Sommermonaten, die diese Jugendlichen mit schlechtem Pflichtschulabschluss "lehrvertragsreif" machen und vom AMS mit den Erwachsenenbildungseinrichtungen durchgeführt werden. Lernschwache Jugendliche, die trotzdem nicht lehrvertragsreif sind, sollen in einer "Vorlehre" zum qualifizierten Helfer ausgebildet werden können oder ein neuartiges, praxisorientiertes Schulangebot -die "Produktionsschulen" - mit dem gleichen Bildungsziel vorfinden. Voraussetzung für eine solche "zweite Chance" ist ein schlechter Pflichtschulabschluss wie etwa ein Repetieren während der Pflichtschulzeit oder ein Abschluss in der dritten Leistungsgruppe der Hauptschulen.

Schließlich erinnert die Wirtschaftskammer Österreich an ihre Forderung nach einer finanziellen Entlastung der Ausbildungsbetriebe. "Wenn jährlich eine Milliarden Schilling für ein höchst problematisches 'Auffangnetz' mit regelmäßigen Bezügen für einen quasi 'Schulbesuch' in Lehrgängen oder Ausbildungseinrichtungen aufgebracht werden kann, sollte die Übernahme der vergleichsweise geringeren Kosten der Lehrlingsentschädigung während des Berufsschulbesuches aus Budgetmittel ebenfalls möglich sein", argumentiert Piskaty. (pt)

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