Leopold Maderthaner: Die Chancen nützen

Die 90er Jahre waren ein Jahrzehnt der Erfolge, das nächste Jahrzehnt ist ein Dezennium der Chancen

Wien (PWK) - Ende der 80er Jahre war das kommunistische Herrschaftssystem in Mittel- und Osteuropa gerade zusammengebrochen und es war völlig unklar, ob und wann Österreich als vollwertiges Mitglied in die Europäische Union aufgenommen wird. Der Traum von einem Europäischen Währungssystem mit einer einheitlichen europäischen Währung lag noch in weiter Ferne. Damals galt die verstaatlichte Industrie noch als unantastbar und die Unternehmer mussten sich vor einer 35-Stunden-Woche fürchten. Damals war die Sozialpartnerschaft als Vorbereiter für Regierungs- und Parlamentsarbeit hochgeschätzt und die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern eine Selbstverständlichkeit.

Als ich Mitte der 90er Jahre aufrief, den Sozialstaat endlich zu sanieren, damit er auf Dauer leistungs- und funktionsfähig bleibt, warf man mir Übertreibung vor. Heute steht dieses Thema an der Spitze der politischen Tagesordnung. Selbst kritische Geister loben heute das Unternehmertum als Motor der Beschäftigungspolitik und streben in der Sozialpolitik größere Zielgerechtigkeit an.

Die österreichische Wirtschaft, unsere Unternehmen, können heute jedermann durch Zahlen widerlegen, der so tut, als wäre Österreich ein Entwicklungsland. Diese Kritiker und Skeptiker haben Unrecht behalten. Es gibt eine starke österreichische Wirtschaft und ein sehr tüchtiges Unternehmertum. Der Wirtschaftstandort Österreich gewinnt an Bedeutung und wir - die Wirtschaftskammern - haben diesen Wirtschaftstandort durch Vorgaben und Forderungen erfolgreich mitgestaltet. Die 90er Jahre waren ein Jahrzehnt der Erfolge, das nächste Jahrzehnt ist ein Dezennium der Chancen. Damit wir diese Chancen besser nützen können, müssen wir die Schwachstellen beseitigen und unsere Stärken effizient einsetzen und ausbauen.

Unsere Aufgaben sind nur zu gut bekannt: Bürokratieabbau, die Sicherung einer funktionsfähigen und finanzierbaren Sozialpolitik, Abbau der viel zu hohen Lohnnebenkosten, die Förderung von Unternehmensgründungen und -übergaben, die Förderung von Forschung und Entwicklung, die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit und -nicht zuletzt - den weiteren Rückzug des Staates aus der Wirtschaft, die Sanierung des Staatshaushaltes und den Abbau der Staatsschulden. Die letzte Regierung hat zwar einiges in Angriff genommen, die nächste Regierung wird jedoch daran gemessen, ob alle diese aufgezählten Aufgaben auch wirklich umgesetzt werden.

Wie viele andere Industriestaaten befindet sich auch unser Land in der Situation eines Unternehmens, das teilweise schmerzliche Sanierungsmaßnahmen durchführen muss, um seine Zukunft zu sichern. Die Voraussetzungen dafür sind gut, wenn wir kostspielige Gewohnheiten über Bord werfen und wenn die nächste Bundesregierung entschlossen handelt und offene Probleme wirksam löst. Wenn allen klar wird, dass das Wohlbefinden unseres Landes von der Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe abhängt, dann haben wir gute Gründe, zuversichtlich ins Jahr 2000 und ins nächste Jahrzehnt zu blicken. (EH)

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