Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen...

Wien (OTS) - Bundesinnungsmeister Lahofer verwehrt sich gegen Forderungen nach exzessiver Herabnivellierung der Gewerbeantrittsvoraussetzungen aufgrund der jüngsten VfGH-Judikatur

Im Zusammenenhang mit der kürzlich ergangenen Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes zur Erlangung einer Gewerbeberechtigung durch inländische Praxiszeiten über ein EWR-Anerkennungsverfahren, warnt der Bundesinnungsmeister der Baugewerbe davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Im Bereich des ausführenden Baumeistergewerbes müssen jedenfalls Anerkennungskriterien festgelegt werden, die weiterhin sicherstellen, daß Baugewerbetreibende imstande sind, Gefahren für Leib, Leben und Vermögen durch unsachgemäße Bauführung und Dilettantentum hintanzuhalten. Leider zeigen die Katastrophenfälle der jüngsten Vergangenheit, daß auch in diversen EWR-Staaten, welche als Gradmesser dienen sollen, ein derartiger Standard nicht immer vorhanden ist. Aus gutem Grund hat Deutschland es bisher sehr wohl vermieden, das bewährte Handwerkssystem auf das Niveau des schlechtest qualifizierten EWR-Mitgliedes herunterzunivellieren.

Verschärft würde die Problematik, im Falle der Ostöffnung oder einen Beitritt der Türkei zur EU, wenn die dortigen Levels auf Österreich angewendet würden. Jedenfalls, fordert Lahofer, müsse das Verfahren weiterhin auf Ebene der Ämter der Landesregierungen durchgeführt werden. Besonders schwierig würde es sein, die Problematik von Schein- oder Gefälligkeitsbestätigungen über facheinschlägige Tätigkeiten in den Griff zu bekommen.

Als unverständlich und verantwortungslos bezeichnet der Bundesinnungsmeister auch die Haltung jener Kommentatoren, die dafür plädieren, daß eine solide Ausbildung für die Gewerbeausübung überflüssig ist, "da der Markt die Spreu vom Weizen trenne". "Interessanterweise sind es für den Fall, daß ein Konsument dabei zu Schaden kommt, die gleichen Stimmen, die dann lautstark die angeblich so zünftlerische Wirtschaftskammer zur Schadensbegrenzung in die Pflicht nehmen. Kontakte mit einschlägigen Versicherungen haben gezeigt, daß die durch minderqualifizierte Bauunternehmen eröffneten Risken, mit vernünftigen Prämien kaum oder gar nicht versicherbar sind.

Unerwähnt blieb in der polemisch geführten Debatte auch, daß Österreich ohnehin schon bis dato eine der liberalsten Gewerbeordnungen überhaupt hatte, da jeder handlungsfähige Staatsbürger, der einen ausreichend befähigten gewerberechtlichen Geschäftsführer anstellte, grundsätzlich jedem Gewerbe nachgehen konnte. Für Personen mit mehrjähriger leitender Tätigkeit kommt nun neben der Möglichkeit einer Nachsicht auch noch eine EWR-Anerkennung in Frage. Leider trugen schon die bisherigen Konstruktionen wesentlich dazu bei, daß der Bau mit drei Insolvenzen täglich an der Spitze der Pleitenpyramide steht, trotzdem ist die Zahl der Baubetriebe ständig im Wachsen. Ein Ansteigen dieser Tendenz ist aufgrund der neuen Judikatur schon vorprogrammiert. Wer angesichts dieser Tatsache noch immer meint, daß zuwenig Konkurrenz vorhanden sei, um angeblich überhöhte Preise zu verhindern, leidet offensichtlich an Realitätsverlust.

BIM Lahofer: "In meiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Baugeschäft ist es mir kaum untergekommen, daß sich jemand ernsthaft durch die Gewerbeordnung davon abhalten ließ, selbständig zu werden. Vielmehr sind die Fälle Legion, wo ich mitansehen mußte, wie "blauäugige" Markteinsteiger durch mangelnde wirtschaftliche und technische Ausbildung, sich selbst und seriöse Mitkonkurrenten ins Verderben stürzten".

Abzuwarten bleibt, inwiefern die für das Gewerbe aufgestellten Formalkriterien auch auf Freiberufler wie Rechtsanwälte, Ziviltechniker oder Ärzte angewendet werden und wie man jungen Menschen erklären soll, daß es sich noch lohnt, eine gediegene Ausbildung zu absolvieren.

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