"Der Standard" Kommentar: "Goldener Heldenstern" (von Josef Ertl)

Ausgabe vom 29.12.1999

Wien (OTS) - Der Goldene Heldenstern für ihre Kriegsverdienste. Präsident Boris Jelzin verlieh sechs Generälen diese höchste russische Auszeichnung. Unter ihnen ist auch General Wladimir Schamanow, in dessen Verantwortungsbereich im Dorf Alchan-Jurt 41 Zivilisten massakriert wurden. Das ist nur ein Beispiel für den Zynismus, mit dem die Moskauer Herrscher ihren Tschetschenien-Krieg führen."Jedes Leben zählt", erklärt Viktor Saizew, einer der russischen Kommandanten in Grosny, warum die Eroberung so langsam vor sich geht. Man wolle die Soldaten und die Zivilisten schonen. Doch sobald die angreifenden Einheiten auf Widerstand stoßen, ziehen sie sich zurück, und die Artillerie und Kampfflugzeuge bombardieren alles nieder, was noch steht. Die verbliebenen Einheimischen sind die ersten Opfer dieser Kriegsführung. Und weil die Russen sich nicht auf den Häuserkampf Mann gegen Mann einlassen, schicken sie zusammengewürfelte und kaum ausgebildete tschetschenische Milizen vor. Sie sollen das Kanonenfutter abgeben. Tschetschenen töten Tschetschenen. So vernichtet man ein Volk. Die russische Armee setzt im bergigen Süden Vakuum-Bomben ein, obwohl diese vom Völkerrecht verboten sind. Im ersten Tschetschenien-Krieg wurden 1996 mehrere Hundert Dorfbewohner durch eine derartige Bombe getötet. Die Toten bleiben äußerlich unverletzt, der durch die Bombe erzeugte Unterdruck bringt die Lungen und Trommelfelle zum Platzen. Das sind Details eines Krieges, von dem die russische Kriegs-propaganda glauben machen will, er würde beinahe klinisch sauber geführt und verursache kaum Tote. Seit rund vier Monaten greift eine militärisch weit überlegene Großmacht mit 100.000 Soldaten ein Häuflein so genannter Rebellen an. Trotz der täglich verbreiteten Erfolgsparolen blieb bisher der große Sieg aus. Der Krieg wird länger dauern, als es Moskau lieb ist.****

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