Meisterprüfung bleibt Voraussetzung für das Handwerk

VfGH-Urteil zur Gewerbeordnung bringt eine zusätzliche Variante des Gewerbezugangs ins Spiel

PWK - Das heute vom Verfassungsgerichtshof verlautbarte Erkenntnis zur Gewerbeordnung bestätigt die Meisterprüfung oder einen anderen Befähigungsnachweis als Voraussetzung für die Zulassung zum Gewerbe und bringt gleichzeitig eine neue, zusätzliche Variante des Gewerbezugangs ins Spiel. Nach dem Erkenntnis des VfGH können nun auch Inländer ein Gewerbe anmelden, wenn sie bei der Gewerbebehörde nachweisen können, dass sie mehrere Jahre in leitender Position im betreffenden Gewerbe tätig waren. Bisher galt dies nur für im EWR-Ausland erworbene Praxis. ****

"Mit dieser Entscheidung gibt es nun neben der Meisterprüfung insgesamt sieben zusätzliche Möglichkeiten, um zu einer Gewerbeberechtigung für ein Handwerk zu kommen", sagt Hanspeter Hanreich, Leiter der Abteilung für Rechtspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, in einer ersten Stellungnahme. Mit dem Erkenntnis bestätigt der VfGH lediglich die Tendenz zur Internationalisierung im Gewerbe und Handwerk.

Hanreich begrüßte die Entscheidung des VfGH, das System der Meisterprüfung und des Befähigungsnachweises als Qualifikationserfordernis außer Streit zu stellen. Nach wie vor liegt es im öffentlichen Interesse, einen gewissen Standard fachlicher Leistungen zu sichern und zu diesem Zweck entsprechende Fähigkeiten und Erfahrungen zu verlangen. Weiters zieht der VfGH auch nicht in Zweifel, dass eine Standardisierung von Ausbildungsgängen und Prüfungsanforderungen, wie es in der Gewerbeordnung festgelegt ist, weiterhin zulässig ist.

Hanreich sprach sich dafür aus, die entsprechende Anerkennungsverordnung rasch zu überarbeiten. Die Verordnung muss eine neue Verfahrensregelung für die Gewerbebehörden enthalten, um die jeweils erforderlichen Praxiszeiten inhaltlich zu prüfen. Die Entscheidung sollte in jedem Fall der Landeshauptmann treffen. Langfristig müssten die Minimalstandards und Qualifikationserfordernisse für wichtige Berufe auf EU-Ebene vereinheitlicht werden.

Hanreich erinnerte daran, dass eine Task-Force der EU erst kürzlich die Ausbildung zum Handwerksmeister, wie sie in Deutschland, Österreich und Luxemburg praktiziert wird, als ein nachahmenswertes Beispiel für ein einheitliches und umfassendes Ausbildungssystem bezeichnete, das eine solide Basis für die Gründung eines eigenen Unternehmens darstellt. In diesem Sinne könnte die Ausbildung zum Meister anderen Mitgliedsstaaten als Beispiel dienen. Selbst in den USA wird die Einführung des Meistersystem bereits diskutiert. (Schluß) MH

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/SCHLUß