"Neue Zeit" Kommentar: "Regierungssuche" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 23. 12. 1999

Graz (OTS) - Ist es Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" - das mit dem Gang des Verzweifelten ins Wasser endet - oder gar Samuel Beckets "Warten auf Godot" - der nie kommt -, was SP und VP zur Zeit mit Österreichs innenpolitischen Journalisten treiben? Oder werden diese während der Regierungsverhandlungen doch nur aus dem Bundeskanzleramt ausgesperrt, um zu verhindern, dass der eine oder andere Verhandler auf dem Weg aufs WC das eine oder andere - Wort selbstverständlich! - fallen lässt? Und schon wäre es vorbei mit der schönen Geheimhalterei. Weil Weihnachten vor der Tür steht, verbietet sich selbstverständlich sowohl die literarische wie die prosaische Betrachtungsweise. Nein, stellvertretend für die gesamte Bevölkerung, wurden auch gestern vor dem Bundeskanzleramt die wartenden Journalisten in klirrender Kälte in die weihnachtliche Herbergssuche eingeübt. Für sie gab es sogar vom Bundeskanzleramt beigestellten Tee. Das ist mehr, als Maria und Josef seinerzeit hatten. Und es lässt auch hoffen: Immerhin endete die Herbergsuche mit einer Geburt und gab es schließlich einen himmlischen Chor, der die Rettung aus aller Not verkündete. Wäre doch gelacht, wenn nicht die "Weisen vom Ballhausplatz" noch vor den Sternsingern die freudige Nachricht in der Hofburg überbringen könnten.

Offen ist noch, wer Ochs und Esel abgeben wird. Dafür sind die "unschuldigen Kinder", denen es zwar nicht an Kopf und Kragen, wohl aber ans Geldbörsel gehen wird, bekannt.

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