Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Der gläserne Parteiobmann

Ausgabe vom 23. 12. 99

Die Zeiten, in denen in Kärnten politischer Weihnachtsfriede herrschte, sind endgültig vorbei. Nach der "totalen Kriegserklärung" Haiders und der notgedrungenen Achsenbildung zwischen Schwarz und Rot gehen die Sozialdemokraten zwischen den Feiertagen auf die heimliche Suche nach einem neuen Parteichef oder einer neuen Parteiobfrau. Denn bis 22. Jänner müssen mögliche Kandidaten ihre Anwartschaft anmelden. Ob es auf dem Parteitag am 12. Februar zu einer Kampfabstimmung kommt oder nicht, steht noch in den Sternen. Besser nicht.
Weil es derzeit offenbar keine charismatische Figur gibt, ist die Idee aufgetaucht, für den Job des neuen Chefs oder der Chefin ein Anforderungsprofil zu erstellen. Es darf geschmunzelt werden: Wer nicht nachweisen kann, erfolgreich das Reinhardt-Seminar abgeschlossen zu haben, ist für diese Funktion ungeeignet, denn jeder Politiker muss Schauspieler sein. Wird ein Mann gesucht, muss er groß, graumeliert und sportlich aktiv sein. Ist eine Frau gefragt, muss sie rhetorisch ausgebildet und nicht allzu emanzipativ sein. Alles Mumpitz. Mit einem gläsernen Parteiobmann, der aus der Retorte kommt, lässt sich keine Wahl gewinnen. Wer die Strukturen in der SPÖ kennt, weiß, dass jene Person am 12. Februar das Rennen macht, die die Mehrheit der Bezirke hinter sich hat. Natürlich soll es jemand sein, der mit der vielzitierten Basis - sprich Volk - reden kann. Jemand, der halbwegs ehrlich ist und der von Reformen nicht nur spricht, sondern sie auch umsetzt. Mehr sollte vom neuen Leithammel, egal ob Frau oder Mann, nicht erwartet werden.

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