ÖGJ: Enorme Defizite der Wirtschaft bei der Lehrlingsausbildung

Trotz Kostenentlastung der Betriebe passiert zu wenig

Wien (ÖGB). Scharfe Kritik übte der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Albert Maringer, an der nach wie vor mangelnden Bereitschaft der Wirtschaft, Ausbildungsplätze für Lehrlinge zur Verfügung zu stellen. Maringer: "Sind wir wieder auf dem Weg in eine Gesellschaft, wo der Lehrling Lehrgeld zahlen muss? Angesichts der enormen Kostenentlastung der Lehrbetriebe drängt sich eine solche Frage zwangsläufig auf."++++

Wie massiv bei Lehrlingen gefördert wird, lasse sich an Hand eines Beispieles - etwa in einem Metallbetrieb - zeigen: Unter der Annahme, dass das Lehrverhältnis nach dem 1. Juli 1998 geschlossen wurde, erhält der Betrieb folgende Förderung: Seit dem 1. Juli 1997 entfallen für den Betrieb die Dienstgeberbeiträge zur Krankenversicherung für die ersten drei Lehrjahre und der Unfallversicherungsbeitrag für das erste Jahr. Zudem reduziert sich der Entgeltfortzahlungsbeitrag von 2,3 auf 2,1 Prozent. Und zusätzlich kann noch für Lehrlinge im ersten Lehrjahr ein Steuerfreibetrag von 20.000 S als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Bei Ablauf der Lehrzeit sowie nach erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung kann man noch einmal jeweils 20.000 S geltend machen.

"Was muss also noch passieren, damit die Wirtschaft endlich mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt? Hier ist ein enormes Defizit zu orten. Dies kann nicht länger hingenommen werden. Wir fordern die Wirtschaft auf, ihren Beitrag zur Lehrlingsausbildung zu leisten. Sie muss mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen", unterstrich Maringer.

Zudem seien jene Jugendlichen, für die NAP-Maßnahmen greifen, gegenüber Lehrlingen natürlich finanziell schlechter gestellt. Maringer: "Auch hier gibt es einen akuten Handlungsbedarf, damit diese Jugendlichen nicht an den Rand der heutigen Konsumgesellschaft gedrängt werden. Bei künftigen Maßnahmen sind verstärkt Überlegungen anzustellen, dass sich die Wirtschaft hier finanziell ‚betätigt‘. So sollten diese Jugendlichen Lehrlingsentschädigung, Weihnachts- und Urlaubsgeld erhalten."

"Für die Betriebe gibt es genügend Erleichterungen, nun sind auch sie aufgefordert, ihrerseits den Lehrlingen eine qualitative, quantiative und zukunftsorientierte Ausbildung zu bieten. Es darf kein Jugendlicher ‚ürigbleiben‘ - weder puncto Ausbildung noch finanziell", betonte Maringer abschließend.

ÖGB, 22. Dezember 1999 Nr. 608

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