Niederösterreichs Chirurgen Vorreiter: Jahr 2000: Qualitätssicherung in der Chirurgie wird Realität

St. Pölten (OTS) - Der Berufsverband österreichischer Chirurgen (BÖC) setzt mit Unterstützung des Niederösterreichischen Gesundheits-und Sozialfonds (NÖGUS) chirurgische Qualität in Realität um. Bereits seit 1995 schreibt der BÖC die Qualitätssicherung in der Chirurgie auf seine Fahnen. Anhand der sieben häufigsten chirurgischen Diagnosen (Blinddarm, Gallenblase, Leistenbruch, Brustkrebs, Schilddrüse, Krampfadern und Dickdarmkrebs) sollen ab 1.1.2000 in NÖ als erstem Bundesland Österreichs Vergleiche angestellt und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Alle 22 chirurgischen Abteilungen Niederösterreichs nehmen an dieser Studie teil.

Prim. Dr. Franz STÖGER , Präsident des BÖC und selbst Leiter einer chirurgischen Abteilung im Krankenhaus Tulln stellte vor kurzem gemeinsam mit dem Medizinischen Leiter des NÖ.Gesundheits- und Sozialfonds, Dr. Robert GRIESSNER, den Primarii und Oberärzten in NÖ. das ab 1.1.2000 in Österreich erstmals zum Einsatz gelangende Programm der Chirurgischen Qualitätssicherung vor: Es gehe, so Stöger wörtlich, nicht um das Sammeln von Daten in einem "Datenfriedhof" sondern vielmehr um die praktische Umsetzung von Vergleichsmöglichkeiten und neue Erkenntnisse bei chirurgischen Eingriffen zu schaffen. Dies mit Hilfe einer breiten Palette EDV-gestützter Selektions- und Korrelationskriterien , die erstmals österreichweite Vergleiche zulassen soll. Als Beispiel führte Stöger den Verlauf im Umgang eines an akutem Blinddarm erkrankten Patienten an: 'Wieviel Zeit ist erforderlich, um den Patienten von der Aufnahme bis zum Operationssaal bzw. bis zum abgeschlossenen Eingriff zu 'schleusen'? Und hier setzte der Chirurg gleich eine Warnung daran:
"Nicht immer ist der "schnellste Operateur" auch der beste, da eine gesicherte Anamneseerhebung (z.B. bei Frauen der gynäkologische Bereich, um Fehldiagnosen auszuschliessen) durch gezielte Fragestellung ein wesentliches Qualitätskriterium ist. Derartige Fragestellungen sind im Programm dokumentiert und unter den einzelnen Abteilungen korrelierbar. Oder: Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Qualitätssicherung in der Praxis ist die Aufklärung: Z.B. Ein über 80ig jähriger Patient mit multimorbidem Risiko (Zucker, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz...) soll Leistenbruch operiert werden: Anhand des vorhandenen Datenmaterials wird nun der Patient selbst (und seine Angehörigen) über Vor- und Nachteile des Eingriffes, über Risken, über die verschiedenen Methoden, die Narkosen etc. aufgeklärt. Eine entsprechende Dokumentation erfolgt darüber bzw. auch über Vor- und Nachteile, die Operation nicht durchzuführen. Im Falle des Eingriffes werden während des gesamten Operationsverlaufes etwaige Zwischenfälle, Verbrauch von Verbands-Nahtmaterial, Drainagen, Narkosemittel usw. in das Programm eingegeben. Verlauf des Krankenhausaufenthaltes, Heilungsprozesse etc. und die Entlassung werden dokumentiert.

Die Patientendaten sind verschlüsselt. Um eine Mehrbelastung der damit befassten Chirurgen hintanzuhalten, sind Schnittstellen zu den in den Spitälern vorhandenen Systemen vorgesehen, um bereits vorhandene Daten übernehmen zu können. Die Masken sind übersichtlich gestaltet und jeweils nur durch Ankreuzen von Ja/Nein effizienzorientiert.

"Nie wieder Freistadt". Mit diesem System lässt sich - wenn, wie Stöger hofft - im Laufe des Jahres 2000 alle österreichischen chirurgischen Abteilungen eingebunden sind, ein 'Frühwarnsystem' einrichten. Aufgrund des Vergleiches von Daten lassen sich "Ausreisser" an einer chirurgischen Abteilung orten, wodurch rechtzeitig Gegenmassnahmen eingeleitet werden können. "Der Vergleich macht Sie sicher" heißt es in einem Werbeslogan. Er gilt auch für die Qualitäts-sicherung: Sie gibt Abteilungsvorständen, Krankenhauserhaltern, politisch verantwortlichen Ressortleitern im Gesundheitsbereich ein Instrument an die Hand, mehr Transparenz und Sicherheit in Österreichs Spitäler zu bringen.

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