"Neues Volksblatt" Kommentar: "Neujahrsrede" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 21. 12. 1999

Linz (OTS) - Karl Lueger, der legendäre wie auch umstrittene einstige Bürgermeister von Wien, brauchte mehrere Anläufe, ehe seine Wahl von Kaiser Franz Josef akzeptiert und er tatsächlich Wiener Stadtoberhaupt wurde.

Ein wenig ähnelt diese Geschichte dem derzeitigen Verhalten von Bundespräsident Thomas Klestil, der unmissverständlich auf eine Neuauflage der SP-VP-Koalition drängt. Das verwundert zunächst inhaltlich. So hat Klestil doch etwa, im Gegensatz zur SPÖ, deutliche NATO-Präferenzen erkennen lassen oder, andersrum, über äußerst kritikwürdige Aussagen der FPÖ nur nobel hinweggeblickt. Kritik ist aber auch vom Standpunkt einer demokratischen Republik her angebracht. Denn in einer solchen ist es zweifellos allein Sache der politischen Parteien, ihre Verhandlungen zu führen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Drängende Zwischenrufe einer Einzelperson mögen, auch staatspolitisch verständlich, vor diesem Hintergrund noch hingenommen werden können ó Versuche, das Ergebnis dieser Verhandlungen im Vorhinein zu dekretieren, nicht.

Klestil wäre gut beraten, weiter Besonnenheit in schwieriger Situation zu zeigen - auch, wenn er dann vielleicht in seiner Neujahrsansprache noch keinen greifbaren Erfolg bejubeln kann.

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