"Wirtschaftsblatt" Kommentar: "Die Föderalisierung der Konzerne" von Jens Tschebull -

Ausgabe vom 17.12.99

Wien (OTS) - Von DaimlerChrysler über die japanischen Banken bis
zu europäischen Speditionen (Danzas) entstehen Saurier, um deren Überlebensfähigkeit man besorgt sein könnte, wäre da nicht gleichzeitig der Gegentrend einer Föderalisierung zu selbstständigen Einheiten. Siemens z.B. betreibt durch Umgruppierung Verkäufe, Ausgliederung und Zusammenschlüsse eine Art Selbstfiletierung, die im vergangenen Jahr allein in Österreich 25 Milliarden Schilling bewegt hat. Der Chef der Wienerberger AG, Erhard Schaschl, führt den Aufstieg seiner Gruppe zum grössten Ziegelhersteller der Erde darauf zurück, dass sie ein Verband von selbstständigen Mittelbetrieben ist, die in den meisten Fällen nur einen vollverantwortlichen Chef haben. Das von den Banken nach deren Misstrauensgrundsatz empfohlene "Vier-Augen-Prinzip" weicht dem alleinverantwortlichen Geschäftsführer. Zwillingskapitäne, wie sie in staatsnahen Betrieben von der ÖIAG bis zur AUA üblich sind, wirken wie Leitfossilien, die auf eine Proporz-Herkunft hinweisen. Auch Frank Stronachs Magna wächst nach föderalistischem Prinzip: Relativ kleine Fabriken (mit Ausnahme von Steyr-Daimler-Puch) mit voller Ergebnisverantwortlichkeit des lokalen Managements und sogar mit konzerninternem Wettbewerb um dieselben Kunden. Die Motive für diese Aufspaltung sind verschieden: Ein international verteiltes Geflecht von selbstständigen GmbH kann z.B. der Steuerminimierung dienen, was allerdings durch Gesetze über Konzernbilanzen erschwert wird.Die Gewerkschaft wieder argwöhnt, dass selbstständige Tochterunternehmen mit verschiedener Branchenzugehörigkeit und lokaler Lohnfindung den tückischen Zweck haben, zentrale Betriebsräte zu verhindern. Die Chemie- und Pharmaindustrie neigt zur Abspaltung von High Chem-Unternehmen, damit im Falle von Forschungskatastrophen nur die betreffende selbstständige Einheit, nicht aber die gesamte Gruppe zu Grunde geht. In erster Linie geht es bei der Föderalisierung grosser wirtschaftlicher Einheiten in überschaubare, gewinnorientierte Mittelunternehmen aber darum, unternehmerisches Qualitätsbewusstsein und Gewinnstreben bis zur letzten Werkbank zu delegieren. (Schluss) JT

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionssekretariat: 01/919 19-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR/OTS