Paul van Buitenen ist Reader's Digest Europäer des Jahres / EU-Beamter deckte Missstände auf, die EU-Kommission zum Rücktritt zwangen =?

Stuttgart (ots) - Der niederländische EU-Beamte Paul van Buitenen wird für seinen Beitrag zur Aufdeckung von Korruption und Missmanagement in der Europäischen Kommission von Reader's Digest als "Europäer des Jahres" ausgezeichnet. Die mit 10 000 US $ (ca. 19 800 DM) dotierte Auszeichnung wird van Buitenen im Januar 2000 verliehen. Der Preisträger hat darum gebeten, dass der gesamte Betrag einer gemeinnützigen Organisation zugute kommt.

Die Ergebnisse der Recherchen von van Buitenen zwangen im März 1999 die damalige EU-Kommission unter ihrem Präsidenten Jacques Santer zum Rücktritt. Weitere Erfolge der Recherchen von van Buitenen: Im April 1999 wurde die Uclaf, die interne Betrugsbekämpfung der Kommission, durch ein Gremium ersetzt, das nicht mehr von der Kommission abhängt. Außerdem erhielt das Parlament Garantien für mehr Transparenz und eine größere Rechenschaftspflicht der neuen Kommission.

Reader's Digest würdigt van Buitenen als einen Menschen, der sich nie entmutigen ließ, obwohl er immer wieder auf Widerstand und Ignoranz stieß und auch persönliche Nachteile in Kauf nehmen muß. Er sei seinem Gewissen gefolgt und habe Missstände ans Licht gebracht:
Missmanagement, Günstlingswirtschaft, Korruption, Verstöße gegen die Amtspflicht, Unregelmäßigkeiten bei Spesenabrechnungen und Gehaltserhöhungen.

Durch seine rückhaltlose Aufdeckung der Missstände hat sich Paul van Buitenen große Verdienste erworben, entschieden die Chefredakteure der 21 europäischen Ausgaben von Reader's Digest. Sie verleihen den Preis "Europäer des Jahres" jetzt zum fünften Mal. Er soll Bürger ehren, die ohne herausragenes Amt mutig und ohne Furcht vor Repressalien ihrem Gewissen folgen und sich selbstlos für andere Menschen und die Sache, an die sie glauben, einsetzen. Bisherige Preisträger waren der ungarische Priester Imre Kozma, der norwegische Umweltschätzer Frederic Hauge, der britische Segler Pete Goss und die dänische Ärztin Dr. Inge Genefke.

Paul van Buitenen - Chronologie der Recherchen

1989 Paul van Buitenen tritt in die Finanzabteilung der Generaldirektion für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung ein.

1995 Wechsel in die Generaldirektion XXII, geleitet von Edith Cresson.

Van Buitenen stößt rasch auf Unregelmäßigkeiten.

1996 Im Sommer reift sein Entschluß, gegen die Missbräuche vorzugehen. Im November legt er der Uclaf, der internen Betrugsbekämpfung der EU-Kommission, seine Belege vor. Sie werden in einer Akte abgelegt.

Van Buitenen sieht ein, dass er in der Generaldirektion XXII wenig erreicht.

Januar 1998 Er tritt als Prüfer in die Generaldirektion der Finanzkontrolle ein.

Aus der Untersuchung, die auf seine Initiative hin im Geschäftsbereich von Edith Cresson stattfindet, hält man ihn so weit wie möglich heraus.

Van Buitenen fährt seine eigenen Recherchen weiter und übergibt sein Material an die mit der Untersuchung befassten Finanzkontrolleure.

Juli 1998 Der Bericht der Finanzkontrolleure bestätigt viele Vorwürfe van Buitenens, es erscheint aber dazu nur eine verwässerte Zusammenfassung.

Van Buitenen wendet sich an das Generalsekretariat der Kommission. Man droht mit Entlassung - was heute bestritten wird.

Er schickt seinen Bericht schließlich an den Kommissions-Präsidenten Jacques Santer und andere hohe Beamte mit der Aufforderung, dem Parlament reinen Wein einzuschenken. Er gibt bis 4. Dezember Bedenkzeit. Das Ultimatum verstreicht.

Dezember 1998 Am 8. Dezember informiert er Magda Aelvoet, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, und bittet sie, die Parlamentskollegen in Kenntnis zu setzen. Sie ist es auch, die die Presse einschaltet.

Januar 1999 232 der 626 Parlamentarier fordern den Rücktritt zweier Kommissare.

Van Buitenen wird mit dem Vorwurf der Amtspflichtverletzung konfrontiert, vom Dienst suspendiert und seine Bezüge halbiert.

März 1999 Rücktritt der EU-Kommission unter ihrem Präsidenten Jacques Santer.

Januar 2000 Paul van Buitenen wird mit dem Preis Reader's Digest Europäer des Jahres ausgezeichnet.

Paul van Buitenen wird später wieder in den Dienst der EU aufgenommen. Allerdings wird er in die Direktion für die Verwaltung von Gebäuden und Diensten versetzt.

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