Lücken im Netz WWF-Bilanz: Österreichs Naturschutz ist noch nicht europareif

Wien (OTS) - Eine positive Bilanz in Sachen Natura 2000 kann der
WWF (World Wide Fund For Nature) im Jahr 1999 ziehen: 27 neue Gebiete wurden nominiert und rund 25.000 Menschen haben sich aktiv für das "Netz des Lebens" eingesetzt. Handlungsbedarf gibt es aber weiterhin, denn viele Naturjuwele sind immer noch ungeschützt. "Natura 2000 wird von den zuständigen Politikern noch immer zu wenig ernst genommen", urteilt Mag. Christoph Walder, Leiter der WWF-Kampagne "Netz des Lebens", "ab jetzt erwarten wir uns aber mehr Engagement: Österreichs Naturschutz ist nach wie vor nicht europareif."

Mit 27 neuen Gebieten, die innerhalb des vergangenen Jahres in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 nominiert wurden, fällt die Bilanz des WWF durchwegs positiv aus. Und noch weitere Gebiete - wie das Aist-Naarn-Flußsystem im oberösterreichischen Mühlviertel - sollen laut zuständigen Landesregierungen bis Ende April 2000 noch folgen. "Viele heimische Tier- und Pflanzenarten, wie der Huchen in der Oberen Mur oder Lebensräume für den Wachtelkönig an der Maltsch konnten dadurch gerettet werden", freut sich Kampagnenpatin Ulla Weigerstorfer. "Ca. 25.000 Menschen haben sich im Laufe des Jahres aktiv für das 'Netz des Lebens' eingesetzt: in der Aktionswoche, bei Umweltfesten und mit ihrer Unterschrift - das zeigt, daß vielen die Natur am Herzen liegt."

Handlungsbedarf: die Lücken schließen Aber das 'Netz des Lebens' hat immer noch Lücken. 'Wissenschaftlich besteht kein Zweifel, daß noch weitere Gebiete nominiert werden müssen', erklärt Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr. Gemeinsam mit EU und den wichtigsten europäischen Wissenschaftern wurde etwa für die Alpen - 2/3 der österreichischen Landesfläche - exakt erarbeitet, für welche Arten und Lebensräume noch mehr Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Das Ergebnis: 30 Arten, wie z.B.: Dohlenkrebs und Braunbär, und 23 Lebensräume, wie lebende Hochmoore sind noch immer nicht ausreichend geschützt. "Österreich hat für den Schutz vieler Tier- und Pflanzenarten eine bedeutende Verantwortung – die Bileks Azurjungfer hat im Tiroler Lechtal weltweit ihr einziges Vorkommen oder im Steinfeld befindet sich einer der seltensten Lebensraumtypen: der Pannonische Steppenrasen", weiß Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr.

Österreich im Naturschutz nicht europareif Aus Sicht des WWF geht es nicht nur um die fehlenden Gebietsnominierungen, sondern auch um den Umgang mit dem europäischen Naturschutzinstrument Natura 2000: -Seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 (!) ist erst ein einziges von 27 Gesetzen an die europäischen Naturschutzrichtlinien angepaßt worden! - Es laufen 10 Beschwerdeverfahren der EU gegen die Republik Österreich wegen nicht ordnungsgemäßer Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie und der FFH-Richtlinie (Fauna-, Flora-Habitat), wie zum Beispiel Lechtal (T), Kaisergebirge-Schwemm (T), Steinfeld (NÖ). - Noch immer werden bedeutende Naturgebiete Österreichs durch Bauprojekte wie den Donau-Oder-Elbe-Kanal oder die Neusiedlersee-Autobahn bedroht. 'Im Naturschutz ist Österreich bei weitem nicht europareif,' zieht Mag. Christoph Walder Bilanz und wünscht sich für die Zukunft mehr Engagement: 'Auf dem Weg in ein neues Jahrtausend muß Österreich Natura 2000 endlich ernst nehmen -als das zukunftsweisende Naturschutzinstrument Europas."

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