Shareholder Value: Weder Wundermittel noch Schreckgespenst

Neuerscheinung der Wirtschaftspolitischen Blätter räumt mit etlichen Vorurteilen gegenüber dem Shareholder Value auf

pwk - Beim Stichwort Shareholder Value trennen sich nach wie vor die Geister: Für die einen handelt es sich um das ideologische Konzept des nur die Interessen der Eigentümer berücksichtigenden Turbokapitalismus, für die anderen ist es eine betriebswirtschaftliche Kennzahl unter vielen, die zur Beurteilung des Unternehmenserfolges und der Erreichung der Unternehmensziele herangezogen wird. ****

Eine Diskussion zum Thema Shareholder Value in der soeben erschienenen Nummer 6/1999 der Wirtschaftspolitischen Blätter mahnt zur nüchternen Betrachtung. "Es handelt sich weder um ein Wundermittel noch um ein Schreckgespenst", wird als Schlussfolgerung gezogen, und zugleich mit einigen Vorurteilen gegenüber dem Shareholder Value aufgeräumt: Dass Shareholder Value Arbeitsplätze vernichte und die kurzfristige Maximierung um jeden Preis fördere, lässt sich bei ruhiger und gelassener Betrachtung der Fakten nicht aufrecht erhalten. Ein Beitrag zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Freisetzungsmeldungen und Kursgewinnen negativ ist, dass nach Meldungen über Personalabbau also eher Kursverluste eintreten. Es wird auch deutlich, dass der Shareholder Value in seinen verschiedenen Berechnungsvarianten grundsätzlich aus dem Barwert aller künftig zu erwartenden Cashflows abgeleitet wird, was notwendigerweise ein langfristiges Konzept voraussetzt.

Falsch wäre es auch - so die Diskussion - einen ideologischen Gegensatz zwischen Shareholder Value und Stakeholder Value zu konstruieren. Da es sich bei den Stakeholders um jene Gruppen oder Personen handelt, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben und daher bei jeder Strategieentwicklung berücksichtigt werden müssen, sind klarerweise auch die Eigentümer, eben die Shareholders, ebenfalls Stakeholders. Um einen möglichst hohen und nachhaltigen Unternehmenserfolg für die Shareholder zu gewährleisten, müssen immer auch die Rahmenbedingungen, die sich aus den Interessen der Stakeholder (wie z.B. Lieferanten, Kunden, Beschäftigte, öffentliche Hand) ergeben, berücksichtigt werden.

Die alleinige Orientierung am Shareholder Value, also gleichsam an einer einzigen Kennzahl für die Steuerung der gesamten Unternehmensstrategie, ist ein Konzept, dessen Eindimensionalität man sich sehr wohl bewusst sein muss und das auch wegen konzeptueller Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Barwerte zukünftiger Cashflows problematisch sein kann. Allerdings wird es auch in Österreich erforderlich sein, sich stärker an den Grundsätzen des Shareholder Value zu orientieren: Gerade jener Bereich, in dem auch in Zukunft die komparativen Vorteile Österreichs im internationalen Wettbewerb liegen werden, nämlich die Entwicklung und Umsetzung wissensbasierter Produkte und Dienstleistungen, erfordert den Einsatz von Risikokapital. Die Konkurrenz auf den internationalen Kapitalmärkten bewirkt, dass international vergleichbare Renditen geboten werden müssen, um dabei zum Zug zu kommen.

Die Wirtschaftspolitischen Blätter können beim Business Buchmarkt, Nikolsdorfer Gasse 7-11, 1050 Wien (++49(0)1/54664-272) bezogen werden. Kurzinformationen über den Inhalt der einzelnen Beiträge in den Heften 5/1999 und 6/1999 finden sich unter
http://www.wk.or.at/bw/wirtsch.htm.
(Schluß) RH

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