STANDARD-Kommentar in der Ausgabe vom Samstag, 11.12.

Der Hase und die Igel (von Michael Hann)

Wien (OTS) - Die unendliche Geschichte geht weiter. Seit nunmehr drei Jahren versucht die EU, die Steuern zu harmonisieren. Nicht einheitliche Steuern, sondern die Vereinheitlichung der Steuerobjekte, also im aktuellen Fall der Zinsen, sind das Ziel, das sich vor einem Jahr auch Österreich während seines EU-Vorsitzes auf die Fahnen geheftet hat. Das Einstimmigkeitsprinzip wird dieses Vorhaben noch lange verhindern. Denn zunächst war es Luxemburg, das sich weigerte, einer Harmonisierung zuzustimmen. Der Bankenplatz fürchtet um die deutschen Anleger, die als Steuerausländer von der Besteuerung der anfallenden Zinsen befreit sind.

Nun wurden die Luxemburger von den Briten abgelöst, die zwar nicht zur Eurozone gehören, aber einen milliardenschweren Euro-Anleihenmarkt aufgebaut haben, der die Banken und Händler in der City üppig nährt. Da London die Blockiererrolle übernommen hat, kann sich Luxemburg ruhig zurücklehnen und Beobachter spielen.

Der aktuelle Vorschlag in Helsinki, nur Namen und Adressen der Anleger, nicht aber die Höhe der Geldanlage oder der Zinseinkünfte zu nennen, wäre für Österreich nicht ohne Schwierigkeiten umzusetzen. Denn hierzulande sind die Zinseinkünfte mit 25 Prozent endbesteuert. Bei der drohenden Meldung aus London oder Luxemburg an ein österreichisches Finanzamt, müsste der Steuerzahler seine Einkünfte in die Einkommenssteuererklärung mit aufnehmen. Sie würden dann der im Regelfall höheren Einkommensteuer unterworfen sein.

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