OeNB - OeNB-Wirtschaftsprognose 1999 - 2001:

Wachstumsbeschleunigung bei anhaltend mässigem

Wien (OTS) - Preisauftrieb=

Entwicklung des internationalen Umfelds
Das globale wirtschaftliche Umfeld hat zuletzt merkliche
Anzeichen einer Verbesserung gezeigt. In den USA wird sich die Expansion fortsetzen, ebenso erlaubt eine Vielzahl von
Indikatoren für Asien eine günstigere Einschätzung als zuvor. Auch die ost- und zentraleuropäischen Wirtschaften
präsentieren sich überwiegend in einer besseren Verfassung.

Nach einer kurzen, exogen verursachten Verlangsamung an der Jahreswende 1998/99 wird sich das reale Wachstum im Euroraum
in der 2. Jahreshälfte 1999 wieder beschleunigen, wobei für
2000 und 2001 nunmehr je 2,9% erwartet werden. Vor allem das Exportwachstum wird sich im Zuge der internationalen
Entwicklung und des kompetitiven Euro-Wechselkurses rasch beschleunigen.

Erholung der österreichischen Wirtschaft im 2. Halbjahr
1999

Die österreichische Wirtschaft war im ersten Halbjahr 1999 zunächst von einer gespaltenen Entwicklung gekennzeichnet:
Während die externe Nachfrage von der internationalen
Finanzkrise und der gedämpften Entwicklung wichtiger
Handelspartner wie Deutschland und Italien in Mitleidenschaft gezogen war, expandierte die inländische Nachfrage infolge günstiger Entwicklungen bei Einkommen und Beschäftigung, aber
auch der Investitionstätigkeit, anhaltend kräftig. Der
Einbruch der österreichischen Exportwirtschaft zur Jahreswende 1998/99 ist mittlerweile überwunden: Seit dem Sommer erholt
sich der Export zunehmend und liefert entsprechende Impulse
für die Industrie.

2,8% reales BIP-Wachstum in den Jahren 2000 und 2001

Im weiteren Verlauf werden die Erholung der Exporte und die anhaltend kräftige Inlandsnachfrage einen Aufschwung tragen,
der sich in den Jahren 2000 und 2001 fortsetzen wird. Der
private Konsum wird eine wesentliche Stütze des Aufschwungs bleiben, zumal die Steuerreform 2000 das disponible Einkommen
im nächsten Jahr um rund 1% erhöhen wird. Für das reale BIP
wird für 1999 eine Wachstumsrate von knapp 2% und für die
Jahre 2000 und 2001 von jeweils 2,8% erwartet.

Preisentwicklung

Die Inflationsrate gemäß harmonisierten Verbraucherpreis-
index (HVPI) war in Österreich zuletzt äußerst niedrig und
belief sich im Durchschnitt der ersten zehn Monate 1999 auf
0,4%. Im Prognosezeitraum ist auch weiterhin nur geringer Inflationsdruck zu erwarten. Stärkere Inflationsimpulse werden
vor allem von den Importpreisen ausgehen. Die Prognose
unterstellt einen deutlichen Anstieg der Ölpreise für 1999,
der in den ersten Monaten des Jahres 2000 seinen Höhepunkt erreichen und dann allmählich in einen Rückgang übergehen
wird. Die Importpreise werden demzufolge im Jahr 1999 um 1,6%
und 2000 um 2,7% steigen. Dieser Effekt wird in der Folge ausklingen, doch wird die starke Inlandsnachfrage die Preissteigerung für Güter und Dienstleistungen gemäß Konsumdeflator gegen Ende 2000 und für 2001 auf 1,4% anheben.

Beschäftigungsentwicklung

Der Arbeitsmarkt war im bisherigen Verlauf 1999 von hohen Zuwächsen der Beschäftigtenzahlen geprägt, die zum Teil durch Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Zusammenhang mit
dem Nationalen Aktionsplan für Beschäftigung bewirkt wurden. Insgesamt werden gemäß OeNB-Prognose Beschäftigungszunahmen im Ausmaß von 0,9, 0,8 und 0,7% in den Jahren 1999 bis 2001
erwartet. Die Arbeitslosenquote (gemäß Eurostat) wird bis 2001
auf 4,0% zurückgehen.

Entwicklung der Sparquote

Die Verbesserung der Beschäftigungslage, wachsende
Einkommen, stabile Preise und die Aussichten auf die
Steuerreform 2000 haben bereits 1999 die Kaufkraft der
Haushalte gestärkt, die Konsumentenerwartungen stabilisiert
und werden auch in der Folge ein robustes Konsumwachstum mit
sich bringen. Erhebliche Teile dieser Einkommenszuwächse
werden jedoch gespart, sodaß die Sparquote Werte wie vor der Implementierung der fiskalischen Sparpakete 1996 und 1997
erreichen wird. Im Jahr 2001 werden diese Effekte etwas
verflachen, doch wird der private Konsum weiterhin stark zum Wachstum beitragen.

Entwicklung der Leistungsbilanz

Der durch die robuste Inlandsnachfrage ausgelöste Importsog
hat eine merkliche Verschlechterung der Handelsbilanz zur
Folge; dieser Trend wird durch den Anstieg der Rohölpreise verstärkt. Die Importpreise werden im Jahr 2000 stärker
steigen als die Exportpreise, die Terms of Trade
verschlechtern sich. Da auch die Faktoreinkommen (im
wesentlichen durch einen Anstieg des Nettodefizits bei den Vermögenseinkommen) und den Transfers stärker negative Salden ausweisen, kann dies durch die höheren Tourismuseinnahmen
nicht kompensiert werden. Das Leistungsbilanzdefizit steigt
daher im Prognosezeitraum von 2,5% (1999) auf 2,8% (2001) des
BIP.

Details der Prognose sind auf der Homepage der OeNB im Internet (www.oenb.co.at) verfügbar.

OeNB-Prognose der österreichischen Wirtschaft (Eckdaten)

1998 1999 2000 2001 Veränderung zum Vorjahr in % (sofern nicht anders angegeben) Endnachfrage (real)
Bruttoinlandsprodukt ......... +3.3 +1.9 +2.8 +2.8 Privater Konsum .............. +1.7 +2.1 +2.4 +2.2 Öffentlicher Konsum .......... +1.5 +1.1 +1.2 +0.7 Anlageinvestitionen .......... +4.7 +4.7 +4.5 +5.5
Exporte i.w.S. ............... +7.9 +1.8 +7.0 +6.2
Importe i.w.S. ............... +6.6 +3.3 +6.8 +6.3 Arbeitsmarkt
Lohnstückkosten .............. +0.2 +0.8 +0.9 +0.7 Bruttolohn je Beschäftigten .. +2.9 +1.8 +2.8 +2.8 Arbeitsproduktivität ......... +2.6 +1.0 +1.9 +2.1 Reallöhne .................... +2.0 +1.1 +1.4 +1.4 Unselbst. Beschäftigte ....... +0.7 +0.9 +0.8 +0.7 Arbeitslosenquote(Eurostat),in% 4.7 4.3 4.1 4.0
Preise
BIP-Deflator ................. +1.0 +0.7 +1.2 +1.5 Konsumdeflator ............... +0.9 +0.7 +1.4 +1.4 Exportpreise (VGR) ........... -0.3 +0.9 +1.1 +1.2 Importpreise (VGR) ........... -0.9 +1.6 +2.7 +0.9
Terms of Trade ............... +0.6 -0.7 -1.5 +0.2

Disponible Einkommen (real) .... +2.7 +2.3 +3.3 +2.1 Sparquote der Haushalte,
in % des disponiblen Einkommens 8.3 8.4 9.2 9.1 Leistungsbilanz, in % des BIP .. -2.0 -2.5 -2.9 -2.8

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