ÖGJ: Bundesweite Aktion für Frei(e) Fahrt

Gewerkschaftsjugend fordert die Aufnahme in die Regierungsverhandlungen

Wien (ÖGB). Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) startete heute eine bundesweite Aktion zur Beseitigung der Ungleichheiten beim Fahrtkostenersatz für junge Menschen in Ausbildung. Lehrlinge und andere Auszubildende sollen SchülerInnen gleichgestellt werden. Im Frühjahr 2000 sollen die Forderungen mit den Unterschriftenlisten an die neue Bundesregierung übergeben werden. ÖGJ-Bundesvorsitzender Albert Maringer sprach von "sozialen Missständen, die raschest beseitigt werden müssen" und verlangte die Aufnahme des Themas in die kommenden Regierungsverhandlungen. ++++

"Der freie Bildungszugang wird durch die enormen Kostenbelastungen für die Jugendlichen faktisch untergraben,", sagte Maringer und stellte dazu fest: "Gerade flexible Lehrlinge, die weite Wege für ihre Ausbildung in Kauf nehmen, werden durch unvertretbar hohe Kosten bestraft." Die ÖGJ fordert daher, dass die Schulfahrtbeihilfe für die wöchentliche Heimfahrt vom Internat, die 1995 ersatzlos gestrichen wurde, wieder eingeführt wird., Der ÖGJ-Jugendsekretär, Stefan Maderner, nannte dazu ein Beispiel: "Einem Pflasterer-Lehrling, der in Bregenz zu Hause ist aber zur Ausbildung in einem Internat in Graz wohnt, entstehen in drei Lehrjahren Kosten von 22.950 Schilling, wenn er einmal pro Woche nach Hause fährt. "In Österreich sind ca. 60.000 in Internaten wohnende Jugendliche von den hohen Kosten betroffen", so Maderner.

Weiters fordert die ÖGJ, dass die Lehrlingsfahrtenbeihilfe so weit erhöht wird, dass die tatsächlich anfallenden Kosten gedeckt sind. Wenn kein öffentliches Verkehrsmittel besteht, sollen die Jugendlichen auch Pendlerbusse und Ähnliches benutzen können, was derzeit nicht der Fall ist. Zudem soll der Kreis der Freifahrtberechtigten um jene Jugendlichen erweitert werden, deren Ausbildungsverhältnisse nicht im Berufsausbildungsgesetz geregelt sind. Konkret nannte Maringer Apothekerlehrlinge, ZahnarztassistentInnen, KrankenpflegeschülerInnen, PraktikantInnen und Anlernlinge aber auch erwerbslose Jugendliche. Außerdem soll die Freifahrtbeihilfe für die wöchentliche Heimfahrt auch all jenen Auszubildenden gewährt werden, die im Rahmen ihrer Ausbildung einen Zweitwohnsitz einrichten mussten.

Bei Lehrlingen, SchülerInnen, PraktikantInnen und anderen Auszubildenden gelten hinsichtlich Freifahrt und Fahrtenbeihilfen unterschiedliche Regelungen, die nicht gerechtfertigt werden können. Die Freifahrt- bzw. Fahrtenbeihilferegelung für Lehrlinge ist im Familienlastenausgleichsgesetz (FLAG) geregelt. Die Arbeits- und Ausbildungssituation hat sich seit den 60er-Jahren, in denen diese Regelungen in Kraft traten, stark verändert. Leider berücksichtigt das FLAG weder die geänderte Situation auf dem Lehrstellenmarkt, noch Besonderheiten in den Bundesländern.

In den letzten Jahren müssen immer mehr SchülerInnen, aber auch Lehrlinge, eine Ausbildung in größeren Entfernungen in Kauf nehmen. Während früher der Wohnsitz der Auszubildenden meist nahe am Ausbildungsplatz lag, werden heute zunehmend weiter entfernte Schulen besucht, die spezielle Ausbildungen ermöglichen. Das bedeutet, dass zusätzliche Zeit für den Weg zur Ausbildungsstätte und auch gestiegene Fahrtkosten anfallen. Wenn nämlich Lehrlinge zwei oder mehr Fahrtausweise für die Fahrt in den Betrieb oder die Berufsschule benötigen, wird derzeit der Selbstbehalt auch zwei- oder mehrmals kassiert. Aber auch Lehrlinge in ländlichen Regionen werden gegenüber Lehrlingen in den großen Ballungsräumen schlechter gestellt. Ähnlich ungerecht ist die Lage von Internatsschülern, die als Wochenpendler gegenüber Schülern in zentralen Wohngebieten unterschiedlich behandelt werden. (pet)

ÖGB, 9. Dezember 1999 Nr. 593

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