"Die Presse Kommentar: "Fischlers Lernkurve" von Andreas Unterberger

Wien (OTS) - Das werden wir in Zukunft noch öfter erleben: daß internationale Auftritte aus Österreich für Wirbel sorgen, vor allem dann, wenn es um Auftritte Jörg Haiders geht. Da stürmten ein paar Anti-FP-Aktivisten ein Londoner Hotel; da demonstrierte ein Dutzend Österreicher am Rande des New Yorker Marathons; da ging nun eine Handvoll linker Gewerkschafter bei der Eröffnung eines Kärnten-Hauses in Brüssel auf die Straße. So weit so gut inszeniert wie auch demokratisch legitim. Selbstverständlich darf und kann das Sympathisantenvorfeld der SPÖ und der Grünen rund um den Republikanischen Klub ihre Abneigung gegen Haider auch im Ausland demonstrieren. Jeder darf sich aber auch einen Reim darauf machen.

Der österreichische EU-Kommissar Franz Fischler hat sich durch die Demonstranten richtigerweise nicht davon abhalten lassen, ins Kärnten-Haus zu kommen. Der Tiroler hat auch völlig recht mit seiner auf Jörg Haider gemünzten Aussage: "Die Lernkurve steigt mit der Frequenz der Brüsselbesuche." Und man kann dem EU-Skeptiker Haider im Interesse Österreichs nur viele Brüsselbesuche wünschen.

Diesen Effekt haben ja einst etwa auch die Minister Mock und Schüssel bewiesen, die den Neutralitäts- respektive Anti-Nato-Fimmel ihrer ersten Amtszeit entsprechend der Frequenz ihrer EU-Kontakte rasch abgebaut haben. In diesem Sinn hat auch die Hypothese viel für sich, daß Österreich schon bei der Nato wäre, wenn die SPÖ den Außen-oder Verteidigungsminister samt der damit verbundenen Lernkurve gestellt hätte.

Unfair ist Fischler hingegen mit der leichtfertigen Verwendung des Wortes "Chauvinismus". Denn man hat die EU noch nie mit diesem Vokabel gehört, wenn es um den deutschen Innenminister Schily gegangen ist, der das Asylrecht mit dem Hinweis auf den häufigen Mißbrauch abschaffen will. Man hat sie auch nicht mit einer ähnlichen Attacke gegen die USA gehört, die den Immigranten für die Green-Card Fingerabdrücke abverlangen, ähnlich wie es Haider will.

Fischler hat den Demonstranten wie Haider gegenüber Mut gezeigt. Jetzt braucht er noch ein Stück Objektivität."

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