"Neue Zeit" Kommentar: "Freier Sonntag" von Peter Kolb

Ausgabe vom 8.12.1999

Graz (OTS) - Hand auf's Herz. Wer ist derzeit wirklich glücklich? Häufig zu treffen ist der Homo Felix vor Weihnachten nicht: Kaum einer, der nicht über Einkaufsstress stöhnt. Unausgesprochener Zusatz: Ich hätte mal einen Tag Pause so richtig nötig. Nein. Geht nicht. Einkaufen an allen Tagen und zu jedem Zeitpunkt ist angesagt. Worüber zwar jeder Befragte stöhnt, was aber laut Handelsketten des Österreichers dringlichster Herzenswunsch ist. Deshalb soll der freie Sonntag schneller fallen, als der erste Dezemberschnee. Bestes Beispiel ist der heutige 8. Dezember, der Tag von Maria Empfängnis. Eine vor Jahren erteilte Ausnahmegenehmigung macht nun österreichweit den 8. Dezember für den Konsumenten zur Stauhölle und für den Handelsangestellten zum schlechtbezahlten Stresstag. Und der eigentliche Sinn von Feiertagen - also auch Ruhetagen - geht verloren: das Zusammensein, mit Familie, mit Freunden. Wenn man heute jemand treffen möchte, dann bestenfalls noch in der Schlange vor der Kasse. Und glücklich ist eigentlich keiner dabei so recht.

Den 8. Dezember zum Feiertag rückwandeln, das wird nicht so schnell gelingen. Jobs in Gefahr, lautet das Argument. Dass diese oft nur schlecht bezahlte Teilzeitarbeitsplätze sind, einem also der verarbeitete Feiertag nicht einmal richtig abgegolten wird, ist nebensächlich. Fällt der freie Sonntag im Rahmen eines "Modellversuchs", wird er ebenfalls ein Werktag im wahrsten Sinne des Wortes. Darauf kann man getrost sein Weihnachtsgeld verwetten.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit,
Tel.: 0316/2808-306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS