ÖGB: Mobbing, Bossing und sexuelle Belästigung gehören zum Arbeitsalltag

Elf Punkte für ein partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz

Wien (ÖGB). "Mobbing, Bossing und sexuelle Belästigung gehören inzwischen tragischerweise zum Arbeitsalltag", stellte die Leiterin des ÖGB-Referates für Humanisierung, Technologie und Umwelt (HTU), Renate Czeskleba, heute, Dienstag, beim ÖGB-AK Symposion "Gewalt am Arbeitsplatz" in Wien fest. Gleichzeitig präsentierte sie elf Punkte für ein partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz.++++

Czeskleba: "Da psychische Gewalt schwerer nachweisbar ist als körperliche Gewalt, nimmt sie auch zu. Mobbing, Bossing und sexuelle Belästigung gehören inzwischen tragischerweise zum Arbeitsalltag." So fühlt sich in Österreich bereits jeder 15. Beschäftigte schikaniert. Internationale Studien gehen davon aus, dass rund drei Prozent aller ArbeitnehmerInnen gemobbt werden. Rund ein Drittel davon sind klassische Bossingopfer.

Für die ÖGB-Expertin kündigt sich Gewalt am Arbeitsplatz etwa duch die Symptome Stress, schlechtes Arbeitsklima, Arbeitsunzufriedenheit, Arbeitsdruck und in Folge somatische Erscheinungen an. Nach einer Studie der Dublin Foundation zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aus dem Jahre 1998 geht hervor, dass jeder vierte Arbeitnehmer unter Stress leidet. Jeder fünfte Arbeitnehmer fühlt sich konstant müde, gleichzeitig klagen viele über Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit.

Czeskleba: "Psychische Gefahren, die am Arbeitsplatz auftreten, werden unter anderem durch folgende Faktoren verschärft:
O beruflich bedingte Abhängigkeitsverhältnisse;
O Notwendigkeit zur Existenzsicherung durch unselbstständige bzw. scheinselbsständige Erwerbstätigkeit;
O Arbeitsdruck;
O Angst vor Jobverlust;
O Gesundheitsgefährdender Stress;
O belastende Arbeitsorganisation;
O grobe Mängel im Führungsverhalten und
O die mangelhafte Umsetzung des ArbeitnehmerInnenschutzes.

Nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz sind die "Arbeitgeber verpflichtet, für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der ArbeitnehmerInnen in Bezug auf die Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen. Arbeitgeber haben zum Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Sittlichkeit erforderliche Maßnahmen zu treffen, einschließlich Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gefahren, zur Information und zur Unterweisung sowie der Bereitstellung einer geeigneten Organisation und der erforderlichen Mittel."

Czeskleba: "Weitere sechs Paragrafen des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes beziehen sich auf Prävention psychischer Gefahren. Die Arbeitgeber können sich daher nicht auf fehlende gesetzliche Grundlagen ausreden."

Die ÖGB-Expertin schlägt zusätzlich Betriebsvereinbarungen für "Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz" nach dem Muster von VW Wolfsburg vor und zählt elf wichtige Punkte aus dieser Betriebsvereinbarung auf:
ein Bekenntnis zu einem positiven Arbeitsklima;
sie nennt Gewalt wie sexuelle Belästigung und Mobbing als abzulehnende sowie zu bekämpfende Verstöße gegen die Menschenwürde; sie legt den Geltungsbereich fest;
sie definiert, was unter einzelnen Gewaltakten (Sexuelle Belästigung, Mobbing, Diskriminierung) verstanden wird,
sie legt ein Beschwerderecht fest und nennt verantwortliche Stellen, an die man sich wenden kann;
sie legt Zeiträume für die Behandlung von Verstößen fest;
sie grenzt sich zum geltenden Recht ab, dass von der Vereinbarung nicht berührt wird;
sie befiehlt Vertraulichkeit;
sie legt mögliche Maßnahmen im Fall von Verstößen fest;

sie legt Fördermaßnahmen im Bereich der beruflichen Weiterbildung fest und

sie listet alle einschlägigen rechtlichen Bestimmungen auf, auf die sich die Betriebsvereinbarung bezieht. (ff)

ÖGB, 7. Dezember 1999 Nr. 586

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Franz Fischill
Tel. (01) 534 44/510 Dw. bzw. 0699/194 20 874
Fax.: (01) 533 52 93

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB