AK-ÖGB-Symposium 2: "Gewerkschaften müsste man erfinden" Betriebsräte diskutieren über den Kampf für ArbeitnehmerInnenrechte

Wien (ÖGB). "Wenn es Gewerkschaften nicht gäbe, müsste man sie erfinden",
sagte die Kärntner GPA-Landessekretärin Jutta Brandhuber auf dem 4. Franz-Senghofer-Symposium "Vertrauen ist gut - Betriebsrat ist besser", das
gestern und heute im Karl-Weigl-Bildungshaus der AK Wien in Mödling stattfindet. Dort diskutieren Betriebsräte und Gewerkschaftssekretäre mit
Wissenschaftlern über ihre Erfahrungen und die Zukunft der betrieblichen
Mitbestimmung. ++++

Gerhard Siwiec, Betriebsratsvorsitzender der Firma Fruchtunion, berichtete
von seinem Einsatz als Betriebsrat für die dortige Belegschaft, der ihn
seine Stelle kostete. Nach 22 Jahren Betriebszugehörigkeit wurde der 53-Jährige gekündigt, weil er sich gegen die Streichung der Urlaubsansprüche
von MitarbeiterInnen wehrte. Vor zwei Jahren schickte die Konzernzentrale
aus Deutschland einen "Rationalisierungsmanager", der "die österreichische
Arbeitsverfassung mit Füßen trat", berichtete Siwiec. Als sich Siwiec für
seine KollegInnen einsetzte, wurde er unter einem Vorwand gekündigt. Der Kasten
des Betriebsrats wurde heruntergerissen, sein Büro ausgeräumt und die Unterlagen entwendet. Siwiec wurde verboten, den Betrieb jemals wieder zu
betreten und seitens der Geschäftsführung wurden mehrere Verfahren gegen ihn
angestrengt. Als er sich weiterhin für die Belegschaft einsetzte und den
Betrieb betreten wollte, wurde der deutsche Manager sogar handgreiflich.

Michael Leitgeber, Betriebsratsvorsitzender der Firma Cosmos, die mit der
Firma Köck fusionierte, berichtete, dass es 35 jahre lang unmöglich war,
dort einen Betriebsrat zu wählen. Jeder, der sich dafür einsetzte, wurde
gekündigt. In der Firma Köck-Cosmos gibt es immer noch Probleme beim Berechnen der Überstundenzuschläge. Nun werden diese Überstunden nicht
einmal mehr bezahlt. Leitgeber kämpft dort immer noch für die Einhaltung der
Gesetze.

Beide Betriebsräte betonten, dass im Kampf der Betriebsräte um die Einhaltung der Arbeitsgesetze der Rückhalt der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern unerlässlich sei. Toni Steinmetz, Sekretär der Gewerkschaft
Metall-Bergbau-Energie in Oberösterreich, erzählte von mehreren Betrieben,
die Mitarbeiter kündigten, weil sie einen Betriebsrat gründen wollten. Jutta
Brandhuber kritisierte die diffamierende Betrachtung der Gewerkschaften als
"Dinosaurier", "Betonierer" und "Bremser". Viele UnternehmerInnen wollten ihre
MitarbeiterInnen nicht mehr am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen. Die
Arbeitsplatzangst erzeuge in Österreich einen volkswirtschaftlichen Schaden
von 70 Mia. Schilling, sagte Brandhuber. Der Fall Stronach-Magna sei nur ein
Beispiel unter vielen für eine negative Entwicklung. "Gewerkschaften sind in
Zeiten der Gewinnmaximierung für die Unternehmer notwendiger denn je",
schloss Brandhuber und sprach sich für mehr Solidarität aus. (pet)

ÖGB, 7. Dezember 1999 Nr. 585

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