Noch mehr Saisonniers verlagern Probleme auf Folgejahre (2) Arbeitsrechtliche Bestimmungen werden immer öfter umgangen

Wien (HGPD/ÖGB). Saisonniers, das heißt Tourismusarbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern mit einer auf die Beschäftigungsdauer limitierten Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung, sind zwar für die Abdeckung der saisonalen Spitzen im Tourismus notwendig, sie dürfen jedoch nicht dazu herangezogen werden, strukturelle Fehlentwicklungen im Tourismusarbeitsmarkt auszugleichen, forderte die Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), heute in einem Pressegespräch in Wien. "Noch mehr Saisonniers in den Tourismusarbeitsmarkt zu pumpen, verlagert bloß die offenen Probleme in die Folgejahre", stellte dazu der ÖGB-Bezirkssekretär von Kitzbühel, Kurt Mayerhofer, fest. ++++

Kurt Mayerhofer kennt das Problem aus nächster Nähe. "Wenn österreichische Tourismusfachkräfte aus dem Hotel- und Gastgewerbe abwandern oder nicht bereit sind, Hunderte Kilometer entfernte Saisonstellen anzunehmen, so kann dieses Problem nicht durch noch mehr Billig-Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern gelöst werden. Dies würde die anstehenden Probleme, die zum aktuellen Personalmangel führten, bloß übertünchen und auf die Folgejahre verschieben", meinte Mayerhofer. Nur durch eine Veränderung der gesamten Struktur im Tourismus und durch eine Verbesserung des seit Jahren ruinierten Images der Saisonarbeit im Fremdenverkehr könnte wirksame Abhilfe geschaffen werden.

Hauptursachen für den Personalmangel

Als hauptsächliche Probleme, die den Personalmangel im Saisontourismus verursachen, ortet Mayerhofer unter anderen:
o Entlohnung - Löhne auf Kollektivvertragsniveau und nicht korrekte Überstundenentlohnung -,
o Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz - fehlende Ruhe- und Feiertage, teilweise überlange Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden -,
o immer kürzere Saisonen - teilweise erreichen Sommer- und Wintersaison zusammen nur mehr sechs Monate -,
o schlechte Behandlung der Mitarbeiter, mangelhafte Unterkünfte und Verpflegung in vielen Häusern und
o Vereinbarungen und Zusagen über Lohn, freie Tage und die tägliche Arbeitszeit werden häufig nicht eingehalten.

Arbeitsmarktstatistik kaschiert Sozialmissbrauch

Kurt Mayerhofer sagte weiters, dass die Arbeitsmarktstatistiken nur bedingt die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt widerspiegeln. "Im Bezirk Kitzbühel beispielsweise sind bis zu 25 Prozent der Arbeitslosen aus dem Tourismus Familienangehörige der UnternehmerInnen und auch in anderen Bezirken Tirols ist die Situation ähnlich. Die RegionalstellenleiterInnen des Arbeitsmarktservices (AMS) in den verschiedenen Bezirken beklagen diesen Sozialmissbrauch durch Familienangehörige, mit Ausnahme des Bezirkes Kitzbühel tun sie aber nichts dagegen", stellte Mayerhofer fest.

Gesetze werden immer häufiger umgangen

Auch sei zu beobachten, dass arbeitsrechtliche Bestimmungen immer häufiger unterlaufen werden, teilte Mayerhofer mit: "Arbeitskräfte werden als Volontäre eingestellt und in Wirklichkeit als Hilfsarbeiter eingesetzt, um das Ausländerbeschäftigungsgesetz zu umgehen. Arbeitnehmer aus Niedriglohnländern der EU werden von Firmen wie 'World Hotel Service Ltd.' aus England oder 'Acom' aus den Niederlanden heimischen Betrieben 'überlassen', um eine Bezahlung nach dem ortsüblichen Lohn zu umgehen. Immer mehr Ausländer melden auch ein Gewerbe an, um dann als Scheinselbstständige unter Umgehung des Ausländerbeschäftigungsgesetzes mit 'ihrer Firma' für ein Tourismusunternehmen zu arbeiten", beschrieb Mayerhofer die Besorgnis erregende Entwicklung des Tourismusarbeitsmarktes. (ws)

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ÖGB, 7. Dezember 1999 Nr. 584

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