Goldene Feder 2000 für syrischen Journalisten Nizar Nayouf

Wien (OTS) - Der syrische Journalist und Menschenrechtsaktivist Nizar Nayouf, 52, wird vom Weltverband der Zeitungen (WAN) mit der Goldenen Feder der Freiheit 2000 ausgezeichnet. Seit 1992 ist Nayouf wegen seines Einsatzes für die demokratische Entwicklung in seinem Heimatland unter unmenschlichen Bedingungen in Haft und ringt gegenwärtig mit dem Tod. "Sein Opfer ist eine Mahnung, dass die Freiheit der Meinungsäußerung einen sehr hohen Preis fordern kann; Nayouf ist durch seine unbeugsame Haltung für alle Verleger und Journalisten ein Vorbild", heißt es in der Begründung der WAN.

Erst im November hat der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in einem Schreiben an den syrischen Präsidenten Hafez al-Assad appelliert, Nizar Nayouf freizulassen. Sein Leben wird akut von der Hodgkin-Krankheit bedroht, wenn er nicht rasch eine medizinische Therapie erfährt. VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer wies in diesem Schreiben darauf hin, dass die Behandlung Nayoufs durch die syrischen Militär- und Justizbehörden zutiefst der Achtung von Menschenrechten, eingeschlossen das Recht auf freie Meinungsäußerung, und den Grundsätzen der Menschenwürde widerspreche, zu deren Einhaltung sich Syrien gegenüber ihren Bürgern und gegenüber der Völkergemeinschaft verpflichtet habe. Gleichzeitig wandte sich der VÖZ auch an Bundespräsident Thomas Klestil, Außenminister Wolfgang Schüssel sowie an den Botschafter der Arabischen Republik Syrien in Österreich mit dem Ersuchen, sich für eine Freilassung von Nayouf einzusetzen.

Klestil hat Außenministerium eingeschaltet

In einem Antwortschreiben an den VÖZ betonte Bundespräsident Klestil, dass er das Außenministerium umgehend informiert "und um Prüfung der weiteren Vorgangsweise ersucht" habe. Österreich habe sich, so der Bundespräsident weiter, auch gemeinsam mit seinen EU-Partnern "schon wiederholt über die Menschenrechtslage in Syrien sowie über die Einschränkungen der Freiheit der Meinungsäußerung besorgt geäußert". Klestil kündigte an, dass er die Angelegenheit im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterverfolgen werde.

Gefoltert, gelähmt, gedemüdigt

Nizar Nayouf, Chefredakteur der Monatszeitschrift "Sawt al-Democratiyya" ("Stimme der Demokratie") und Generalsekretär des Komitees für die Verteidigung Demokratischer Freiheiten in Syrien (CDF), wurde 1992 festgenommen und wegen der Mitgliedschaft zu einer "unerlaubten" Organisation und Verbreitung "falscher" Informationen zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Während dieser Haft wurden auf ihn bereits drei Mordanschläge verübt. Heute wird er nach wiederholten und schweren Folterungen mit bleibenden körperlichen Schäden - seine unteren Gliedmaßen sind gelähmt und einige Rückenwirbel gebrochen - im Militärgefängnis Mezze (Damaskus) in einer 2,5 mal 3 Meter kleinen Zelle ohne Sonnenlicht und unter menschenunwürdigen Schikanen in Isolierhaft gehalten. Zuletzt haben die Militärbehörden eine medizinische Behandlung des schwer kranken Journalisten davon abhängig gemacht, dass er sich zuvor verpflichtet, jeder politischer Tätigkeit zu entsagen, und außerdem eine Erklärung unterschreibt, wonach "er unwahre Behauptungen zur Lage der Menschenrechte in Syrien verbreitet habe".

Nach Ansicht von WAN-Generaldirektor Timothy Balding müsse man davon ausgehen, "dass die Behörden den Tod Nayoufs wegen seiner Kenntnisse über Menschenrechtsverletzungen in Syrien billigend in Kauf nehmen würden". Nayouf habe etwa im Gefängnis mit eigenen Augen gesehen, wie der bekannte syrische Radio- und Fernsehmoderator Muneer Al-Ahmed zu Tode gefoltert worden sei.

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