"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ihr Rücktritt, bitte" (von Claus Reitan)

Ausgabe vom 6. 12.1999

Innsbruck (OTS) - Die Schreckensbilanz der siebenten Party der Snowboarder am Bergisel ist eine Anklage. In Innsbrucks Stadtführung sind harte, einschneidende Konsequenzen fällig. Wer meint, diese könnten unterbleiben, hat Ausmaß und Folgen der Katastrophe nicht verstanden. "Der miserable, oft bemängelte Zustand mancher Sportanlagen wurde ausreichend aufgezeigt. Innsbrucks Gemeindepolitiker wissen davon. Deren langjährige Palaver sind das protokollierte Sündenregister dutzenfacher Unterlassungen. "Der Jugend und dem Sport große Möglichkeiten bieten zu wollen, erfordert entsprechende Infrastruktur. Ein Skispringen bei Tageslicht ist am Bergisel kein Problem, eine siebenstündige, bis in die späten Abendstunden reichende Party schon. Es fehlt an vielem, nicht zuletzt an Wegen und Beleuchtung. Den Unterschied der Veranstaltungen nicht erkannt, Maßnahmen unterlassen zu haben, erfordert Konsequenzen. Allen voran bei dem für Bauten und Sport zuständige Stadtrat Norbert Wimmer. Dieser soll die Suche nach den Verantwortlichen bei sich beginnen und sich dann rasch zurückziehen. Der politische Kleinkrieg in Innsbrucks Gemeindestube ist und bleibt ein Ärgnis, auch abseits der jüngsten Katastrophe. Die heillos zerstrittenen Fraktionen finden kaum zu Kompromissen, weil sie einander den Erfolg nicht vergönnen. Aus dem selben Grund gaben sie, auch am Bergisel, erst verspätet privater Initiative den Weg frei. Und in ihrem kleinen, engstirnigen und spießigen Kampf um ihre Sessel riskieren sie nicht zuletzt Ruf und Wirtschaftsgrundlage von Innsbruck und Tirol.¶ Das heurige Jahr hat mit der Katastrophe von Galtür begonnen und jener vom Bergisel geendet. Tragisch für die Opfer. Und fatal für ein Land, das sich in Europa als Sport- und Tourismusregion versteht. Und sich genau deswegen die harte Frage gefallen lassen muss, ob nicht bedenkenlos Massen in Täler und Stadien gebracht werden, ohne für deren Fluchtweg gesorgt zu haben. Eine Politik, die sich auf unvorhersehbare Lawinen und unberechenbare Panik ausredet, hat in der Sache abgedankt.Polizei und Gendarmerie, Rotes Kreuz und
Bergrettung leisteten bei ihren Einsätzen stets hervorragende, großartige Arbeit. Die Politik war bis dato davon weit entfernt.

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