"Das WirtschaftsBlatt" Kommentar: "Klima und die Wapplerbande" von Mag. Gerald Stefan

Wien (OTS) - Einst passierte es einer grossen Wochenzeitschrift, einen hochrangigen SPÖ-Politiker als "Wappler" zu titulieren. Aus Versehen. Der SP-Politiker, nichtsdestotrotz mittlerweile zum Bundeskanzler der Republik avanciert, tut derzeit alles, um seinem legendären Beiwort nicht gerecht zu werden. Im Bemühen, nicht zum letzten von seiner Partei gestellten Regierungschef zu werden, lässt Klima keine Gelegenheit aus, treuherzigen Augenaufschlag und Handschlagqualität mit dem lautstarken Wunsch nach "rauchenden Schornsteinen" und glücklichen österreichischen Arbeitnehmern zu verbinden. Punkten will der Kanzler ausgerechnet dort, wo die flüchtige Geliebte ÖVP eigentlich ihre Hausmacht hätte: Bei der Wirtschaft. Denn die, das weiss Klima, mag stabile Verhältnisse. Dabei zeigt das nach schmerzhaften SP-internen Geburtswehen erstellte Positionspapier der SPÖ bloss ein paar wirtschaftsfreundliche Federstriche, die Mühe haben, sich von der Textwüste des Ghostwriters namens ÖGB abzuheben.

Dass Klima trotzdem gute Chancen hat, seinem Widerpart Wolfgang Schüssel demnächst jene liebevolle Bezeichnung umzuhängen, die er einst selbst kassierte, liegt nicht an ihm: Schüssel, auch von Granden der eigenen Partei gelegentlich liebevoll als "der kleine Napoleon" bezeichnet, scheint auf der Reise zum Thron viele jener Forderungen vergessen zu haben, die die Klientel der österreichischen Wirtschaftstreibenden zu Recht erhebt.

Das "Sondierungspapier" der ÖVP erschöpft sich gerade dort in Schlagworten, wo es um die vielgerühmte "Stärke der Klein- und Mittelbetriebe" Österreichs geht. Die will man fördern. Wie, wird nicht verraten. Okay, die ÖVP will in Opposition gehen. Zur Sache kommt die Volkspartei dort, wo die Positionen weniger weltbewegend, dafür aber SP-kompatibel sind: Ein bisschen an den Lohnnebenkosten schrauben, ein bisschen von den Währungsreserven der Nationalbank abbuchen, um damit Forschungsfonds zu dotieren. Ein bisschen Sozialversicherungen zusammenlegen, aber nicht zuviel. Hypothese eins: Die ÖVP will über andere Themen streiten, mit der FPÖ koalieren oder wirklich aufs Oppositonsbankerl. Hypothese zwei: Nach viel Zank in der Öffentlichkeit geht sie doch mit der SPÖ zusammen. Und setzt bloss jene Reförmchen um, die praktischerweise schon im Sondierungspapier ausgefeilt sind.

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